Bericht von einer Reise durch Ecuador während der Corona-Krise im März 2020

Das war unser Traum: Schon während unserer Reise nach Israel hatten wir von den Galapagos Inseln gesprochen und uns darauf geeinigt, dass wir eine Reise durch Ecuador mit dem Besuch der Galapagos Inseln verknüpfen wollten. Wir blätterten bereits im April 2019 die Kataloge der Reiseveranstalter durch und einigten uns schließlich darauf, das "Galapagos Island Hopping" als 6-Tage-Baustein von Meiers zu wählen und für die Reise durch Ecuador ebenfalls aus dem Meiers-Katalog den 10-Tage-Baustein "Höhepunkte Ecuadors" zu nehmen. Alles buchten wir im Mai aus dem alten Katalog, denn der neue sollte erst Ende Juli erscheinen. Wir wollten nicht so lange warten, weil die Galapagos-Inseln nicht nur heiß begehrt sind, sondern weil auch inzwischen die Einreisebedingungen verschärft worden waren.

Ich hätte gern Ecuador mit Kolumbien verbunden und etwas mehr von Kolumbien besucht. Da gibt es nämlich Medellin mit dem berühmten Botero-Museum, den Tayrona Nationalpark und neben Cartagena auch die schöne Stadt Baranquilla. Aber diese Wünsche scheiterten entweder an der Gelbfieberimpfung, die man für bestimmte Gebiete Kolumbiens benötigt oder an der Zeit. Schließlich wollten wir nicht länger als insgesamt 3 Wochen für diese Reise einplanen. So blieb dann als dritter Baustein nur noch  eine Erholungswoche in Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste übrig. Dazu buchten wir aus dem TUI-Katalog das Conrad by Hilton, das ein bisschen außerhalb von Cartagena an dem schönen Strandabschnitt Manzanillo del Mar liegt.  Alles zusammen war es schon ein teurer Spaß, aber wir freuten uns sehr darauf.  Die Flüge buchten wir mit der Lufthansa, die einen sehr günstigen Business-Flug von Frankfurt nach Bogotá anbot. Da wir zu viert fahren wollten, klappte es auch dorthin mit einem Prämienflug von Miles and More. Die Stadt bot sich als Drehkreuz für die anderen lateinamerikanischen Flüge an, die wir mit Avianca Airlines buchten, weil diese Fluggesellschaft auch zur Staralliance Gruppe gehört und wir an den Meilen interessiert waren.

So ergab sich dann unsere ursprüngliche Reiseplanung:

Es ärgerte uns allerdings sehr, dass Meiers Weltreisen unsere Reiseplanung durcheinander warf, weil im neuen Katalog plötzlich die Reisebausteine anders aussahen, gekürzt worden waren und dazu noch teurer geworden waren.

Da wir alle lateinamerikanischen Flüge bei der Avianca als günstiges Paket gebucht hatten, wichen der Ankunfts- und Abflugtag völlig von der Meiers Pauschalreise ab und wir mussten einiges selbst organisieren. Für den Ankunftstag war das nicht so schlimm, weil wir einfach am frühen Morgen auf Baltra ankommen würden, während die Gruppe von Meiers am Nachmittag erschien. Aber für den Abflugtag war das schon schwieriger, weil wir früh abflogen, während der Reisebaustein von Meiers noch am Morgen eine Besichtigung der Charles-Darwin-Station vorsah. So überlegten wir, diesen Besuch selbst durchzuführen, was auch nicht besonders schwierig erschien, da die Station nicht weit von unserem Hotel entfernt lag.
Der Flug von Düsseldorf nach Bogotá war mit der Lufthansa gebucht. Dort wollten wir einen Stopover im Hotel Habitel am Flughafen machen und am nächsten Tag nach Quito weiterfliegen.. Wir würden dort nachmittags gegen 15:00 Uhr ankommen und hoffentlich von der Reiseleitung von Meiers abgeholt werden, denn unser Reisebaustein würde ja dort beginnen. Und danach würde sich unser zweiter Reisebaustein auf den Galapagos Inseln anschließen.

Weihnachten 2019 blätterte ich in einem Reiseführer für Ecuador und meine Frau bekam ein bisschen Angst wegen der Höhe in den Anden. Die "Soroche", die Höhenkrankheit hatte sie nämlich schon einmal in Peru und Bolivien vor einigen Jahren unangenehm kennen gelernt. So besorgte ich Diamox gegen die Höhenkrankheit mit einem Attest aus England, weil unser Hausarzt das Medikament nicht verschreiben wollte. Und da wir inzwischen schon etwas älter geworden waren, erneuerten wir noch unsere  ADAC-Auslandskrankenversicherung. Ansonsten waren die Vorbereitungen sehr entspannt, weil wir die Flüge bei der Lufthansa gebucht hatten und Ute einen Prämienflug für ihre Meilen in Anspruch nahm.

Freitag, 6.3. 2020
Um 8:40 Uhr steigen wir ins Taxi und sind bei ziemlich wenig Verkehr um kurz nach 9 am Flughafen. Die Maschine startet pünktlich und landet um 10:50 Uhr in Frankfurt auf einer Außenposition. Es regnet in Strömen:
Das erfordert eine halbe Stunde Laufstrecke und lange Wartezeit an der Passkontrolle , weil nur 2 Beamte im Dienst sind. Aber dann hebt unser Airbus 340-800 um 13:35 Uhr ab und wir stoßen mit einem Rosé-Champagner "auf die dicken Echsen" an.
Nach einem ruhigen Flug kommen wir 11 Stunden später in Bogotá an und sind erstaunt, dass wir keinen Druck auf den Ohren verspüren. Dann wird uns aber klar, dass wir ja auf 2600 m Höhe gelandet sind.

Die Immigración geht schnell, wir brauchen keine Formulare ausfüllen, es werden keine Fingerabdrücke genommen und keine Fotos gemacht. Aber vor dem Ausgang werden wir alle auf Fiebersymptome getestet.
Unser Gepäck ist schnell da und draußen vor dem Ausgang finden wir auch schnell den Hotelshuttle vom Habitel Hotel. Um viertel vor acht sind wir an der Rezeption und brauchen eine halbe Stunde für die Anmeldeformalitäten, obwohl die beiden jungen Rezeptionisten sehr freundlich und gesprächig sind. Wir bekommen Zimmer 324 und 325 in der 3. Etage und sind sehr zufrieden mit der modernen Einrichtung und der schönen Dusche.
In der Hotelbar trinken wir noch ein Bier und gehen dann ins Bett. Hier ist es 22:30 Uhr und bei uns zu Hause jetzt 04:10 Uhr am Samstagmorgen.

Samstag, 7.3. 2020
Wir sind früh wach und stehen um 7:00 Uhr unter der Dusche, weil wir nicht schlafen können. Das Frühstücksbüffet ist sehr gut und die Bedienung auch. Wir merken, wie süß die Bananen sind und die Ananasstücke. Das Hotel ist im Übrigen ein hervorragendes und preisgünstiges Stopover-Hotel. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, schauen Sie sich doch meine ausführliche Bewertung bei Holidaycheck und beim Tripadvisor an.
Um 10:30 Uhr nehmen wir den Hotelshuttle zum Flughafen und checken problemlos ein. Lediglich an der Security steht eine lange Warteschlange; danach haben wir noch eine Stunde Zeit für die Lounge, aber dort funktioniert das WLAN nicht, sodass wir nicht nach Hause telefonieren können. Um 13:05 Uhr können wir an Gate 20 einsteigen. Im Airbus 320 sind nur 12 Business-Sitze, aber sonst wird die Maschine voll.
Um 13:40 Uhr heben wir ab und sind nach einem schmackhaften Snack und einem guten Getränkeservice eine Stunde später im Anflug auf Quito. Hier erwartet uns ein kräftiges Gewitter mitten in einer bedrohlichen Wolkendecke.

Wieder dröhnen unsere Ohren nicht - wir sind auf 2800 m Höhe. An der Immigración geht alles ziemlich schnell, unsere Hände werden eingesprüht und bei allen wird Fieber gemessen.

Am Ausgang des Flughafens steht unsere Reiseleiterin Romy mit einem Schild und erklärt uns, dass wir zunächst die einzigen sind, die sie abholt. Die gesamte Gruppe besteht aus 8 Personen, weil noch zwei Paare mit der KLM-Maschine am Nachmittag kommen. Das freut uns sehr, dass die Gruppe nicht so groß ist.
In strömendem Regen fahren wir in die Innenstadt, die 38 km vom Flughafen entfernt ist. Der Fahrer vermeidet die verstopfte Schnellstraße und den Tunnel; stattdessen fährt er durch enge holprige Gassen durch die Schluchten.
An einem Minimarkt halten wir, um Wasser und Finalin gegen die Höhenkrankheit einzukaufen. Nach Ansicht von Romy sollte man viel Wasser oder Coca-Tee trinken und Coca Bonbons lutschen.
Bei der Ankunft im Hotel Alameda kurz vor 17:00 Uhr hat Romy schon alles organisiert und übergibt uns die Zimmerschlüssel.

Quito

Sie besorgt uns einen Stadtplan und zeichnet unseren Standort im Viertel Mariscal Sucre ein. Im Reiseführer wird dieser Stadtteil als Vergnügungsviertel und sehenswert eingestuft. Auf dem Stadtplan ist er blau markiert. Die Altstadt ist rot unterlegt und gar nicht so weit weg. Mit dem Taxi kann man für 6 Dollar dorthin fahren.

Für den Abend empfiehlt sie uns einen Besuch auf der Plaza Foch, wo sich auch das Restaurant von Mama Clorinda befindet, wo wir die "Locro" probieren sollen. Das ist die typische ecuadorianische Kartoffelsuppe, die mit gerösteten Maiskörnern und Avocado serviert wird. Als Aperitif schlägt sie einen "Canelazo" vor, das ist ein warmer Fruchtsaft mit Zimt und Schnaps.
Das Hotel ist neu renoviert worden und hat ganz ordentliche Zimmer. Wir vermissen allerdings eine Heizung oder Klimaanlage und erfahren von der Rezeption, dass Heizungen im Normalfall in Ecuador nicht üblich sind. Am Tage sei es warm und am Abend würden sich die Leute einen Poncho überziehen. Zu Hause hätten alle eine Decke, unter die sie sich verkriechen könnten. Wenn Sie mehr über das Hotel Alameda Mercure wissen wollen, schauen Sie sich meine Bewertungen bei Holidaycheck und beim Tripadvisor an.

Um halb sieben hat es aufgehört zu regnen und wir machen noch einen Spaziergang zur Plaza Foch, wie uns das Romy empfohlen hatte.

Wir probieren die Kartoffelsuppe mit Käse, Avocado und gerösteten Maiskörnern im Restaurant von Mama Clorinda, sind aber nicht so begeistert vom Nationalgericht der Ecuadorianer. Statt des Canelazo trinken wir lieber ein kühles Bier dazu.

Um kurz vor acht sind wir wieder im Hotel und genehmigen uns an der Hotelbar den Welcome-Drink. Das ist ein Beerenmix, der als Cocktail aber auch keinen vom Hocker reißt. Außerdem ist es ziemlich ungemütlich an der Bar in der Lobby.

Sonntag, 8.3. 2020
Um 7:00 Uhr sitzen wir beim ausgezeichneten Frühstücksbüffet. Sogar eine Kochstation ist vorhanden.
Für unsere heutige Stadtrundfahrt sollen wir nach Anweisung von Romy Seife, Pässe, Fotoapparat und einen Schirm mitnehmen. Das sind die Accessoires, die man in Quito braucht, denn meistens ist es während der Regenzeit (September bis Mai) am Nachmittag bedeckt und kurze kräftige Regenschauer können einen erwischen. Die Seife sei wichtig, denn die gäbe es selten auf öffentlichen Toiletten oder in den Toiletten der Restaurants. Wir könnten ja auch die Fläschchen mitnehmen, die immer im Bad der Hotels vorhanden seien.
Den Schirm lassen wir zu Hause, aber einen Anorak ziehen wir uns über. Um halb neun ist Abfahrt mit David, der uns nun mit seinem Minibus für die nächsten 9 Tage bis nach Guayaquil durch das Land kutschiert. Der Bus hat 15 Sitzplätze, sodass unsere 8-er Gruppe genügend Platz hat. Wir lernen nun auch die beiden anderen Pärchen kennen, die natürlich viel jünger sind als wir.
Durch das Mariscal-Viertel fahren wir zunächst zu einem Aussichtspunkt, nämlich dem Palacio Crytal, der sich auf einem Parkgelände, dem Parque Itchimbía, befindet. Romy ist eine nette und fachkundige Reiseleiterin. Sie ist in der Nähe von Quito geboren, hat im Goethe-Institut in Quito deutsch gelernt und dies auf Deutschlandreisen nach Hamburg und Berlin perfektioniert. Sie hat an der Universität von Quito Touristik studiert und sich danach noch einmal für fünf Jahre für das Fach Anthropologie eingeschrieben. Stolz erzählt sie uns, dass sie nun Gewissheit hätte, dass auch sie ein Mischling sei und keine reine Indigene. Das sei auch an den Haaren zu erkennen, die sich an manchen Stellen grau färbten. Ureinwohner mit reiner Abstammung hätten schwarze Haare, die sich auch im Alter nicht färben würden. Romy wird uns bis Guayaquil begleiten und ist bei der Southamericatours-Agentur, die im Auftrag von Meiers Weltreisen unsere Reise als örtliches Unternehmen organisiert, als Freelancer beschäftigt. Viele Jogger sind um diese
Zeit im Park und vor dem Kristallpalast wird zur modernen Popmusik getanzt. Jede Gruppe wird mit Beifall belohnt.
Es ist wunderbares Wetter heute - die Sonne scheint und es ist schon jetzt fast 20 °C. Romy erklärt uns, dass es keine Jahreszeiten in Ecuador wie in Europa gibt, sondern nur eine Regenzeit und eine Trockenzeit. Die Temperaturen würden sich nicht groß unterscheiden, sondern nur die Regenmengen. Tagsüber ist es warm, morgens meist klar und sonnig, während sich am Nachmittag der Himmel mit Wolken überzieht und dann heftige kurze Regenfälle die Straßen in kleine Flüsse verwandeln können.
Das Wetter gefällt uns und wir merken, dass wir den Pullover gar nicht benötigen. Romy macht ein schönes Foto von uns.

 Im Hintergrund kann man sehr gut die Altstadt von Quito mit der Kathedrale erkennen. Die besuchen wir dann auch, in der gerade eine Messe zelebriert wird.

Anschließend fahren wir hinunter in die Altstadt und weiter durch die engen gepflasterten Gassen hinauf zur Marienstatue, die man in der Ferne auf dem Hügel erkennen kann. Durch die Flügel sieht sie eigentlich aus wie ein Engel.
Den 200 m hohen Vulkankegel in der Altstadt von Quito bezeichnet man als "Panecillo" wegen seiner Form, die einem Brötchen ähnelt. Darauf hat man die beflügelte Statue der Virgen de Quito errichtet. Sie ist die Schutzheilige der Stadt Quito, steht auf einer Kugel und tritt mit den Füßen eine Schlange. Das Denkmal wurde aus Tausenden von Aluminiumplatten hergestellt. Das Bildnis der apokalyptischen Madonna geht auf den Bericht der Offenbarung des Johannes von einer kosmischen und von einem Drachen verfolgten schwangeren Frau zurück, die mit Sternen gekrönt und mit der Sonne bekleidet auf dem Mond steht und dem letzten apokalyptischen Gefecht zwischen dem Drachen und dem Erzengel Michael ausgesetzt wird.
Eine Zeit lang wurde der Hügel vom Militär besetzt und diente als Messpunkt für die Artillerie. Der Ausblick von oben auf die Altstadt ist grandios:

Von dort fahren wir zur Calle Ronda, wo wir unseren Spaziergang starten.
Die schmale Gasse mit dem Kopfsteinpflaster war schon im Mittelalter ein wichtiger Fluchtweg aus der Stadt und wurde später die Straße der "Wachrunde" unter der spanischen Kolonialherrschaft. Heute ist das frühere Rotlichtviertel mit Hilfe des UNESCO Weltkulturerbes zu einem der interessantesten Viertel von Quito geworden. Schöne Fassaden, viele Cafés, Bars und Galerien laden zum Bummeln ein.
Alles ist noch menschenleer, weil viele Leute an diesem Sonntagmorgen in der Messe sind. In den Abendstunden ist aber hier viel Betrieb.

Wir versuchen, die steilen engen Gassen mit den bunten Fassaden sehr langsam hochzusteigen, weil es wegen der dünnen Luft doch ziemlich anstrengend ist. Auf der Plaza Santo Domingo ist viel Betrieb und wir wollen die Kirche besichtigen.
Romy hat uns darauf hingewiesen, dass in der Kirche das Fotografieren nicht erlaubt ist daher begnügen wir uns mit einem heimlichen Foto der wunderschönen Rosenkranz-Kapelle im Seitenschiff, deren Wandverkleidung aus rot und gold bemaltem Eichenholz gefertigt ist.

Da am heutigen Sonntag Weltfrauentag ist, sind auch die Frauen in Quito aktiv und beteiligen sich an Demonstrationen für die Rechte der Frauen.

Auf der Plaza schallen uns die Lautsprecherdurchsagen entgegen. Aus dem Video, das ich aufgenommen habe, kann man aber entnehmen, dass hier noch viele indianische Riten gepflegt werden, wenn Kräuter in einen Feuerkranz gestreut und beschwörende Sprüche und Gesänge über einem Holzkohlefeuer losgelassen werden.

Irgendwie scheinen auch die Regierung und die Polizei vor den Demonstrationen der Frauen Angst zu haben, denn in den Straßen, durch die wir anschließend spazieren, treffen wir auf ein hohes Polizeiaufgebot und viele Absperrgitter. Die Polizistinnen, die wir ansprechen, geben uns bereitwillig Auskunft, dass die protestierenden Frauen für mehr Rechte und gegen die Gewalt der Machos in der Ehe eintreten. Aber dennoch sperren sie alles ab und lassen uns nicht durch.


Alle Leute wollen an diesem Sonntag doch nur mit ihren Familien spazieren gehen.
Es ist ärgerlich, dass uns der der Zugang zur Plaza Independecia und dem Präsidentenpalast nicht gestattet wird. Eine andere Gruppe mit drei jüngeren Touristinnen wird durchgelassen und eine Frau im Rollstuhl mit Begleitung vor uns auch - aber wir schaffen es trotz eindringlicher Hinweise von Romy nicht, dass sie eine Gruppe deutscher Touristen führe, die aufgrund ihres Alters Schwierigkeiten mit der Höhenkrankheit hätten und doch so gern den Regierungspalast und die Plaza Grande sehen möchten.


Daher müssen wir umkehren und kommen nur noch zur Iglesia la Compañía. Dort beeindruckt uns die vergoldete Innenausstattung der Kirche sehr, die zu den schönsten Kirchen von Ecuador gehört. Die Kirche hat einen rechteckigen Grundriss mit der Form eines lateinischen Kreuzes. Wände und Säulen bestehen aus Naturstein, Bögen und Kuppeln dagegen aus Ziegelsteinen. Der gesamte Innenraum ist mit schön geschnitzten Holzarbeiten ausgestattet, die fast überall mit Gold überzogen sind.


Alles in allem sollen für die Innenraumdekoration sieben Tonnen Gold verwendet worden sein. Fotografieren ist nicht erlaubt, sodass wir ganz stolz auf unsere heimlich gemachten Fotos sind.

Alle Nebenstraßen sind großräumig abgesperrt, um den Präsidentenpalast zu schützen. Romy erzählt uns, dass vor kurzem das Militär für 50 Millionen Dollar mit neuen Waffen ausgerüstet worden sei und dass es schrecklich sei, dass nun die Polizisten auf ihren Motorrädern mit Maschinenpistolen umherfahren würden. Die Bevölkerung habe Angst, aber für die nächsten Wahlen sei alles so vorbereitet, dass die derzeitigen Machthaber ihre Macht noch erweitern könnten. In Ecuador herrsche Wahlzwang und jeder Einwohner müsse wählen. Es würde genau kontrolliert, dass auch jeder zur Wahl ginge, aber der derzeitige Präsident habe alle Mitbewerber praktisch ausgeschaltet, damit gesichert sei, dass er wiedergewählt würde.
Von der Plaza San Francisco gelangt man über eine breite Treppe zum Portal der Franziskanerkirche:

Es ist die älteste Kirche Quitos und sie ist im Innern durch verschiedene Baustile geprägt.

Anschließend fahren wir zum Monument Mitad del Mundo, das 25 km entfernt von Quito liegt und den Äquator dokumentiert. Wir müssen an der Kasse unsere Pässe vorlegen, damit wir Seniorenkarten für den Eintritt bekommen (Billetes de tercera edad). Sie kosten 2.50 $. Für den Äquator hat man einen ganzen Vergnügungspark gebaut, den viele als Familienausflug an diesem Sonntag besuchen. Wir machen zuerst einmal eine "Äquatortaufe" mit dem Schnaps und den Mini-Plastikbechern von Romy.

Das Monument ist beeindruckend und alle wollen natürlich ein Foto mit einem Bein auf der Nordhalbkugel und mit dem anderen auf der Südhalbkugel.

Auch wir  wollen ein Foto - Schließlich ist man nicht alle Tage in der Mitte der Welt!

Und der gelbe Strich, der den Äquator markieren soll, zieht sich durch jedes Bild.


Montag, 9.3. 2020

Um 8:00 Uhr starten wir bei fantastischem Wetter nach Norden in Richtung Otavalo.
Unterwegs erklärt Romy das Steuersystem in Ecuador und schimpft über die Politik des Präsidenten Moreno, der mit seinen Zugeständnissen den Reichen große Steuervorteile verschafft. An den Tankstellen sehen wir, dass der Sprit superbillig hier ist: Ein Liter Diesel kostet 29 Cents, Super ist aber teurer mit 62 Cents. Taxifahren ist dadurch natürlich sehr billig: Das Taxameter beginnt immer bei 50 Cents. Der Mindestlohn in Ecuador beträgt 390 Dollar; die Löhne selbst sind niedrig, aber die Preise im Supermarkt fast so teuer wie bei uns In Deutschland. Von den 18 Millionen Einwohnern Ecuadors sind nur 8 Millionen sozialversichert. Das hängt damit zusammen, dass die Sozialversicherung (incl. Krankenversicherung) vom Einkommen abhängt, aber mindestens 65 $ im Monat beträgt. Die meisten Leute leben von der Landwirtschaft. Obst und Gemüse sind preiswert, weil es 2-3 Ernten gibt im Land wegen der günstigen klimatischen Bedingungen. Es gibt je nach Region überall ein bestimmtes Mikroklima, das von der Höhe abhängig ist. Am Pazifik und im Amazonastal herrscht tropisches Klima und in den Bergen und Schluchten ist es total unterschiedlich. Es kann aber alles wachsen und gedeihen, weil die Sonne immer senkrecht am Himmel steht und dadurch jedes Fleckchen Erde erreicht. Eigentlich ist das Land ein Schlaraffenland, denn es gibt genug Wasser, Erdöl- und Erdgasvorkommen vor der Küste und genug Bodenschätze. Die Kilowattstunde kostet 9,6 Cents. Durch die Korruption und die Vereinbarungen mit ausländischen Firmen entsteht aber eine Misswirtschaft, die die ärmeren Bevölkerungsschichten stark benachteiligt, sodass die Schere zwischen Arm und Reich sehr groß ist.


Uns fallen die vielen Kontrollen auf der Straße auf; auch wir werden mehrmals angehalten und der Fahrer muss seine Papiere zeigen. Die Strafen bei Verkehrsvergehen sind hoch: Wer zu schnell fährt, muss 118 $ zahlen, ohne Gurt kostet es 85 $, und wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss ebenfalls 85 $ hinblättern. Aber viele halten sich nicht daran, wie wir unterwegs beobachten.

Unterwegs sehen wir in den Dörfern viele Verkaufsstände mit Blumen, Gemüse und Früchten. Wir halten an einem Obststand und probieren die Chirimoyas. 3 Stück kosten 1 $. Die Früchte wachsen auf Bäumen und sind zwischen 10 und 20 cm groß. Das süße Fruchtfleisch ist weiß und saftig, es besitzt einen aromatischen, leicht säuerlichen Geschmack, wie eine Mischung aus Ananas, Mango und Erdbeere. Es soll eine der nahrhaftesten Früchte überhaupt sein.

Interessant ist die Einkaufsbedingung für die Supermärkte: Sie sind vom Staat verpflichtet, 25 % der Lebensmittel von den einheimischen Bauern zu kaufen. Dadurch geht es den eingeborenen Gemeinden recht gut und es braucht keiner zu hungern. Die Kinder lernen in der Schule Spanisch und Englisch, zu Hause werden aber viele Quechua-Dialekte gesprochen. Hier in Ecuador schreibt man es "Kichwa". Viele Ortsnamen sind auch aus dieser Sprache, die damals die Inkas allen diesen eingeborenen Stämmen aufgezwungen haben.
Wir sind erstaunt, als uns Romy mitteilt, dass die Scheidungsrate 39 % beträgt. Immer mehr Frauen trennen sich von den Männern, die immer noch das alte "Machogehabe" nicht ablegen wollen. Wir beobachten unterwegs auch, dass es keine Kinderwagen gibt, sondern alle Mütter tragen die Kinder auf dem Rücken.


 

Ein Foto von der Panamericana und den umliegenden Anden machen wir am Mirador del Rio Pisque, der unten in der Schlucht fließt. Es ist der Vulkan Pinchincha und sogar der schneebedeckte Cotopaxi zu sehen. Man kann ohne weiteres mehr als 100 km weit schauen.

Ein Stück weiter können wir den Cayambe Vulkan von der Straße aus sehen. Er ist 5720 m hoch.
Kurze Zeit später machen wir eine Pause am Mirador Lago mit dem Vulkan Imbambura im Hintergrund:
Auf der Weiterfahrt über die Panamericana bestimmen die beiden Vulkane Cotacachi (4939 m auf der linken Seite) und Imbabura ( 4621 m auf der rechten Seite) das Landschaftsbild. Unten ist der See San Pablo zu sehen.

Otávalo

Bei Otavalo besuchen wir zunächst eine Schule in Peguche, die mit deutschen Spendengeldern unterstützt wird. Auf Anraten von Romy haben wir uns vorher gut mit Moskitospray eingesprüht. Die Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren sind alle sehr diszipliniert, schauen aber auch ernst drein. Hier ein kurzer Filmausschnitt von den Kleinsten:

Die Lehrerinnen und Lehrer haben mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Altersstufen ein großes Musik-Programm vorbereitet und es werden landestypische Tänze vorgeführt. Zum Schluss sollen wir alle mittanzen. Dazu ein kurzer Filmausschnitt:

Als wir den holprigen Weg von der Schule hinauf zum Parkplatz gehen, merken wir doch die Höhe, denn das kurze Stück strengt ziemlich an. Weiter geht es zur Markthalle von Otávalo, wo wir viel fotografieren, weil das Obst- und Gemüseangebot so bunt und vielfältig ist.

Der Markt ist nicht nur Einkaufszentrum des Ortes, sondern gleichzeitig auch das größte Restaurant. Auf langen Bänken sitzen die Leute vor den Garküchen und bestellen sich landestypische Gerichte. Das ist nicht nur die Locro, die Kartoffelsuppe, sondern vor allem Fleischspieße oder Geschnetzeltes aus der Pfanne, das mit Mais, Kartoffeln, Röstis und Gemüse als Tellergericht angeboten wird. Solch ein Teller kostet 1 - 3 $. Auch wir werden von Romy animiert, eine Kostprobe am Stand von Mama Hordena zu nehmen, die mit ihrem Grillfleisch einen Preis gewonnen hat.
Hier eine kleine Fotostrecke von unseren Markteindrücken:

Die Händler auf dem Markt bieten nicht nur Lebensmittel an, sondern auch Textilien. Otávalo ist bekannt für seine hervorragenden Handarbeiten und ist auch stolz darauf.
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Das Angebot an Obst und Gemüse ist unübersehbar.

Anschließend fahren wir zum Ponchomarkt, an dem aber nicht viel los ist. Es ist zwar der berühmteste Markt von Otávalo, aber nicht mehr urtümlich, sondern nur noch für die Touristenbusse da, die regelmäßig samstags die Stadt überschwemmen, wenn Markttag ist.

Statt über den Ponchomarkt zu gehen, nutzen wir die Zeit für einen Spaziergang durch die Stadt. An der Plaza vor der Kirche steht ein Denkmal von Rumiñahui, dem legendären Inka-Heerführer.

Bevor wir weiterfahren, kaufen wir noch bei einem Händler Coca-Bonbons für 1 $ das Päckchen. Natürlich sieht er uns an, dass wir Touristen sind und will erst einmal 1,50 $ haben. Er bietet auch Coca-Blätter zum Verkauf, die aber eigentlich in Ecuador verboten sind. Deshalb wird auch in den Hotels oder Restaurants kein Coca-Tee angeboten, wie wir es aus Peru kennen.

In dem kleinen Dorf Peguche in der Nähe von Otavalo besuchen wir eine Familie, die Ponchos, Teppiche und Textilien aus Alpaca-Wolle herstellt.
 

Die Mama zeigt uns auch das Färbeverfahren mit Conchenillos, den Läusen, die auf den Kakteen leben. Mit Samen von Nüssen, Mineralien oder Pflanzensäften werden die zerquetschten Läuse zu unterschiedlichen Farbtönen gemischt.

Ein weiterer Besuch in dem Dorf gilt der Instrumentenwerkstatt von Manda Manachi, die uns zeigt, wie man aus Bambus in kurzer Zeit verschiedene Pancitas herstellt, das sind Panflöten, die mit ganz bestimmter Anblastechnik in den Anden gespielt werden.

Hier ein kleiner Filmausschnitt von der Flötenspielerin:
Kurz nach halb vier geht es weiter nach Cotacachi, wo viel Leder verarbeitet wird. Wir spazieren eine halbe Stunde durch die Hauptgeschäftsstraßen bis zur Kathedrale und schauen in die vielen Ledergeschäfte. Es sind schöne Sachen dabei, aber wir brauchen nichts. Romy kommt mit einer Ledertasche für ihre Freundin zurück.

Danach geht es ins Hotel Las Palmeras in Quichinche, einem Vorort von Otávalo.

Das Hotel ist eine alte Hazienda mit einem gewissen Charme. In dem großen Garten grasen Lamas und viele Hunde begrüßen uns. Es gehört auch ein großer Gemüsegarten dazu mit vielen Kräutern, die die Küche direkt frisch verarbeitet. Auf er Wiese stehen außerdem zwei vergitterte Gehege mit Meerschweinchen, die hier zum Grillen gemästet werden.

Wir wohnen in kleinen Häuschen (Nr. 1+2), die als Suiten mit Kamin, Vorraum und Schlafzimmer eingerichtet sind. Das Bett ist klein und alles ist kühl. Dafür ist der Service mit dem Kamin und den Wärmflaschen gut. Zusätzlich stellen wir  nach dem Abendessen (Zucchinisuppe und Forelle bzw. Hähnchen) noch einen Heizlüfter auf.

Wenn Sie mehr über das Hotel wissen wollen, schauen Sie sich doch meine ausführlichen Bewertungen bei Holidaycheck und beim Tripadvisor an. Da sind auch viele Bilder dabei.


Dienstag, 10.3. 2020

Das Frühstück ist nicht übermäßig üppig und mit Butter wird gespart. Als Getränk gibt es neben dem Kaffee einen Saft von einer besonderen Papaya-Art. Von Romy erfahren wir, dass die Ecuadorianer nicht viel Butter essen und dass die winzigen Butterkügelchen völlig normal seien. Es ist ziemlich frisch hier heute morgen und Inge macht dauernd die Tür zum Frühstücksraum zu, weil es zieht. Aber der Service ist freundlich und gut.
Beim Start um 8:30 Uhr blicken wir noch einmal ins Tal von Otávalo und fahren dann weiter zur Laguna de Cuicocha, der "Meerschweinchen-Lagune".

Da die Meerschweinchen alle cui-cui machen, also irgendwie quieken, heißen Meerschweinchen eben "cui" in der Sprache der Kishwa (oder Quechua). "Cocha" ist der Kishwa -Name für eine Lagune. Das sind meist die Kraterseen in den Vulkanen.
Romy reißt am Wegesrand ein paar Eukalyptusblätter von einem Baum ab, zerreibt sie zwischen den Händen und legt sie in den Bus. Sofort breitet sich ein angenehmer frischer Duft aus. Das ist eine tolle Idee.
Als wir an der Lagune ankommen, bereitet uns Romy auf unsere erste Höhenwanderung auf 3200 m Höhe vor und gibt uns die Anweisung, viel Wasser zu trinken und langsam zu gehen.
Das machen wir auch und marschieren los. Zur Vorsicht lutschen wir unterwegs noch ein paar Coca-Bonbons. Wir gehen sogar noch ein Stück weiter als zum Aussichtspunkt.

Ich mache von oben eine Panoramaaufnahme von der Lagune und den umliegenden Bergen.

Beim Abstieg kommen wir auch noch an drei Opferpunkten der Ureinwohner vorbei: einer Sonnenuhr und einer Monduhr. Die Inkas lebten ja nach einem Mondjahr mit 360 Tagen und 5 Tagen, die sie anschließend jeweils als Feiertage bezeichneten.
Die hier rekonstruierte Uhr zeigt deutlich die Tageszeit an: Da die Sonne mittags senkrecht steht und keinen Schatten an dem Stein wirft, weiß man, wann es zwölf Uhr ist. Jetzt bei dem Schatten dürfte es 11 Uhr sein. und das stimmt ziemlich genau.

Wer an der Meerschweinchenlagune war, muss natürlich auch Meerschweinchen essen. Deshalb geht unsere Fahrt weiter nach Cayambe, wo wir kurz nach Mittag eintreffen. An einer Raststätte halten wir, um die berühmten "Bizcochos" zu probieren. Das sind süße Kuchen, die in der gesamten lateinamerikanischen Welt bekannt sind und zum Frühstück oder zum Kaffee genossen werden. Das Gebäck ähnelt manchmal den Croissants oder auch den Plätzchen mit Anis, Zimt und anderen Zutaten.
Cayambe ist ein ruhiges Örtchen, in dem die Leute jetzt im Park sitzen und ein Schwätzchen halten.

Romy führt uns zu einem Schnellrestaurant an der Straße, das als Spezialität Meerschweinchen vom Grill anbietet und ziemlich primitiv aussieht. Auch der Duft, der aus der Küche kommt, ist nicht appetitanregend. Wir ergattern einen Tisch auf dem Bürgersteig, wo trotz der Auspuffgase von der Straße noch ein wenig frische Luft vorhanden ist.


"Leckereien vom Meerschweinchen-Grill " steht auf dem Schild neben der Abfalltonne des nicht gerade einladend aussehenden Restaurants. Außerdem werden als Spezialitäten  Meerschweinchen in Knoblauch und Hühnersuppe angeboten.


 Die Meerschweinchen auf dem Grill

Die Meerschweinchen sehen auf dem Teller eigentlich ganz appetitlich aus.

Die Meerschweinchen werden mit Kartoffeln, Avocado, gerösteten Maiskörnern und scharfer Soße serviert. Man isst sie traditionell mit der Hand, aber wir bekommen einen Teller und Besteck dazu. Wir müssen viel lachen beim Essen und trinken dazu eine große Flasche einheimisches Bier. Die Meerschweinchen schmecken ganz gut. Ihr Geschmack ähnelt sehr dem eines gebratenen Kaninchens.
Meerschweinchen sind eine große Spezialität in Ecuador. Normalerweise isst man sie zu Geburtstagen oder an Feiertagen. Dazu werden schon kräftige Burschen in den Käfigen herangezogen. Sie machen tatsächlich "cui-cui", wenn man sich ihnen nähert.

Der echte Äquator

Um halb zwei fahren wir weiter nach Süden auf die Panamericana zu. Beim echten Äquator machen wir einen Stopp und zahlen 3 $ Eintritt für für eine lehrreiche Darstellung des Sonnensystems und der Erdumdrehung am Modell.

Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass der gelbe Strich am Monument Mitad del Mundo auf den Berechnungen von 1736 beruht und heute nicht mehr gültig ist. Durch Zufall entdeckte man eine alte Inka-Ruine auf einem in der Nähe liegenden Berg, von dem die Inkas bereits vor 1000 Jahren Sonnenbeobachtungen durchgeführt haben. GPS Messungen des militärgeografischen Instituts von Ecuador hatten ergeben, dass der echte Äquator 240 m nördlich zu finden ist. Deshalb hat man mit dem Projekt "Quitsato" an dieser Stelle in der Nähe von Cayambe eine riesige Sonnenuhr mit einem Durchmesser von 52 m gebaut. Die Plattform ist aus farbigen Steinen zusammengesetzt, in deren Mitte eine 10 Meter hohe Säule steht. Mit dem projizierten Schatten kann man nicht nur die Tageszeit genau ablesen, sondern funktioniert auch als großer Kalender, weil man die Tag- und Nachtgleiche und damit die Jahreszeiten ablesen kann.

Auch unser GPS-System vom Handy zeigt deutlich genauere Werte als das am Monument "Mitad del Mundo" der Fall war.


Jetzt stehen wir an dem mit modernen Satellitensystemen vermessenen echten Äquator. Inge steht auf der Südhalbkugel und ich auf der Nordhalbkugel. Außerdem sind wir wegen der Erdanziehung und der Gestalt der Erde an dieser Stelle mindestens 200 g leichter.

Um kurz vor 14:00 Uhr geht es weiter in Richtung Quito. In El Quinche machen wir eine Pause, fotografieren die Plaza mit der Kirche, denn es ist ein Wallfahrtsort, den auch der Papst vor 5 Jahren besucht hat.

Wir lassen uns die Schuhe putzen, die doch von den Wanderungen ziemlich schmutzig geworden sind. Der Schuhputzer nimmt einen Dollar und wir wissen, dass der Preis völlig überhöht ist, denn nach uns lächelt ein Einheimischer wissend den Schuhputzer an.
Die Fahrt geht über die Panamericana nach Pifo und dann ständig bergauf. Die Straße wird "Ocean Highway" genannt, weil sie die beiden Andenketten verbindet, zwischen denen Quito liegt. Auf den grünen Wiesen und Abhängen neben der Straße grasen Kühe und viele Felder sind mit Knollenfrüchten angelegt. Terrassen braucht man hier nicht, weil es genügend natürliche Absätze gibt.
Viele Papierbäume wachsen hier in den höheren Lagen, es gibt Forellenzuchtanlagen und Wild in den Wäldern und der Buschlandschaft.

Wir haben noch 2 1/2 Stunden Fahrzeit vor uns und machen einen Fotostopp auf der Passhöhe bei 4069 m an der Grenze zur Provinz Napo.



Die Straße führt hinunter ins Amazonasbecken und bis Coca braucht man etwa 4 Stunden Fahrzeit. Die Provinz ist nach dem Rio Napo benannt, der einer der großen Zuflüsse des Amazonas ist. Überall stehen Schilder, die auf die Kreuzung der Brillenbären hinweisen, die hier leben. Es soll noch etwa 130 Exemplare davon geben.
Es wird immer nebliger und unser Fahrer David kann manchmal kaum etwas von der Straße sehen. Das hängt damit zusammen, dass hier die warmen Luftschichten des Amazonasbeckens mit der kalten Luft aus den Andenbergen zusammentreffen. Viele Wasserfälle rauschen links und rechts der Straße die Abhänge hinunter. Glücklicherweise ist nicht viel Verkehr auf der Straße.

Papallacta

 

Um halb fünf sind wir im Hotel Termas de Papallacta und sehr zufrieden mit unseren Zimmern Nr. 31 und 32 in dem Doppelhaus. Endlich warme Zimmer mit Fußbodenheizung.

Der Ort Papallacta ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für die Einwohner von Quito und Umgebung. Durch die heißen Quellen haben sich viele Hotels und Restaurants hier angesiedelt und es gibt ein hervorragendes Programm für einen aktiven Bade- und Wanderurlaub. Die Hotelanlage ist wunderschön und das Beste, was wir auf unserer Ecuadorreise gefunden haben. Hier könnte man sich wirklich ein paar Tage hervorragend erholen. Die Zimmer sind groß und modern eingerichtet und die Thermalpools vor den einzelnen Holzhäusern können je nach Wunsch in der Temperatur gesteuert werden. Es gibt ein größeres Becken zum Schwimmen inmitten einer gepflegten Sauna-Anlage. Vom Business-Center bis zu den Restaurants  ist alles im Hotel vorhanden. Wenn Sie sich dafür interessieren, schauen Sie sich doch mal meine Bewertungen bei Holidaycheck oder im Tripadvisor an.

Mittwoch, 11.3. 2020

Alles ist ein bisschen hektisch heute Morgen, weil wir früh aufstehen müssen, denn um 8:00 Uhr geht es schon wieder los. Kurz nach der Abfahrt machen wir noch einen Fotostopp an der Laguna de Papallacta, die als Wasserspeicher für die Stadt Quito dient.

Es geht wieder zurück über die Wasserscheide auf die Panamericana in Richtung Pifo. Unterwegs in den Anden wachsen viele Papierbäume, deren Rinde direkt zu Papier verarbeitet wird. Zwischendurch ziehen Wolken und Nebelschwaden durch die Täler und über Quito liegt eine dichte Wolkenwand.

Dieser Teil der Straße von Pifo nach Südwesten wird "Ruta Colibri" ( E 35) genannt.. Um halb 10 machen wir eine Pause in Sangolqui und besuchen einen Supermarkt. Die Preise sind tatsächlich wie bei uns, nur Obst, Gemüse und Grundnahrungsmittel sind deutlich billiger. Dazu auch Schweinefleisch und Geflügel. Bier ist relativ teuer. Ein Sixpack Heineken kostet 10 $. In Machachi besuchen wir eine Rosenplantage und erfahren, dass die Firma Natuflor 80 000 Rosen pro Tag in alle Welt verschickt.


Erstaunlich ist auch, dass man den Rosen individuelle Blütenfarben zuordnen kann, indem man die Stiele in farbige Tinten taucht.

30 % der Rosen gehen nach Europa, 30 % in die USA und der Rest nach Asien. Alle werden täglich mit dem Flugzeug verschickt und wir fragen uns, wie das mit dem Klimawandel vereinbar ist, wenn da so viel Kerosin verpulvert wird. Wir hören viel über den Rosenanbau und sind erstaunt, dass alle Rosen steril sind und nicht duften. Sie werden nach Sorten, Farben und zentimetergenauer Länge sortiert und gebündelt.

Cotopaxi Nationalpark

Zwischendurch regnet es und es ist frisch auf 2000 m Höhe, aber nicht kalt. Auch am Nachmittag gibt es immer wieder Schauer, als wir die Panamericana in Richtung Cotopaxi Nationalpark fahren.
Am Eingang des Parks rühren wir uns im Visitor-Center noch eine Portion Coca-Blätter in den Plastikbecher mit heißem Wasser; das wärmt wenigstens etwas. Wir sind hier schon auf 3200 m und danach geht es nämlich wieder bis auf eine Höhe von 4000 m.
Nach der Überquerung des Lavastroms vom Ausbruch des Cotopaxi-Vulkans im Jahre 2015 halten wir an der Laguna Limpiopungo. Es gibt viele Wanderwege hier im Park. Romy erklärt den Rundwanderweg um die Lagune, für den man ungefähr 1/12 Stunden braucht.

Der Wanderweg um die Lagune Limpiopungo ist gut ausgebaut und wir machen einen Spaziergang über die Feuchtwiesen voller Binsen und Hügel mit duftenden Baldriansträuchern. Es sind nur wenige kleine Steigungen hier auf 3890 m Höhe. Von den umliegenden Bergen fließen kleine Bäche in die Lagune, die ja eigentlich ein Kratersee des Vulkans ist. Wir sehen viele grasende Pferde und Rinder. Manche sind nur noch Gerippe, die die Condore hier übrig gelassen haben.


1 1/2 Stunden später sind wir zurück am Bus und fahren über eine fürchterliche Schotterpiste zur Hacienda El Porvenir, die etwas außerhalb des Nationalparks liegt. Das dauert mehr als eine Stunde.
Es regnet, als wir ankommen und ist unangenehm kalt. Der Bauernhof ist noch in Betrieb und man betreibt eine Hosteria mit 18 Fremdenzimmern. Unser erster Eindruck ist sehr gut, weil wir im Kaminzimmer mit einem warmen Canelazo als Willkommensgetränk und Empanadas empfangen werden. Der Manager ist sehr bemüht, es uns allen recht zu machen.

Der gute Eindruck wird aber stark getrübt, als wir unser Zimmer Nr. 17 sehen: Das Zimmer ist winzig, man hat kaum Platz, seinen Koffer abzustellen und der Kinderschreibtisch mit dem Kinderstühlchen ist wacklig und unbrauchbar. Ein kleiner Ölradiator steht an der Seite, vermag aber den Raum nicht zu erwärmen. Glücklicherweise ist das Bett breit und bequem und wir bekommen am Abend zwei Wärmflaschen. Das Toilettenpapier darf man nicht in die Toilette werfen, deren Spülkastenventil klemmt und das Wasser läuft dauernd. Die Dusche ist zwar modern, aber es gibt keinen Dunstabzug, sodass anschließend alles beschlagen ist.

Alles ist natürlich ländlich und rustikal, das muss man hier bedenken. Im Restaurant ist es auch kalt, nur die beiden Gäste, die vor dem Kamin sitzen, haben es warm.

Erfreulich ist die Tomatensuppe, die in einem eisernen Topf mit einem heißen Lavastein serviert wird, der die Suppe warm hält. Um 21:20 Uhr liegen wir unter der Bettdecke und sind mit der Unterbringung nicht zufrieden, auch wenn alle sehr freundlich sind und Manager Philippe sich bemüht, um seinem Wahlspruch "Mi casa es su casa" gerecht zu werden.

Lesen Sie dazu meine Bewertung bei Holidaycheck oder beim Tripadvisor.

 

Donnerstag, 12.3. 2020

Als wir kurz nach 6:00 Uhr aufwachen, steht Ute schon am Zaun und macht Fotos mit der aufgehenden Sonne. Sie hat einen viel besseren Eindruck von der Hosteria als wir.

Das hängt natürlich damit zusammen, dass jetzt die Sonne scheint und alles sehr freundlich aussieht. Den Hauptanteil hat der Cotopaxi, der mit seiner schneebedeckten Spitze hinter dem Hügel hervorblickt.

Um 7:15 Uhr sitzen wir beim ländlich ecuadorianischen Frühstück. Es gibt Kuchen, Bizcochos, Marmelade und Honig. Außer Kaffee Guanábana-Saft. Alle Gespräche drehen sich um den Cotopaxi-Vulkan, der nun sichtbar ist und wir sind ganz auf die Abfahrt erpicht, um ihn endlich zu sehen. Schon kurz hinter dem Hügel halten wir für ein Foto an, aber das ist ganz überflüssig, denn einige Kilometer weiter kommen wir zum Eingang des Nationalparks, wo sich der Vulkan in voller Pracht zeigt:


Das ist traumhaft, dass wir jetzt bei schönem Wetter den Cotopaxi so sehen können. Der 5897 m hohe Berg ist einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde. David fährt auf der Schotterpiste ein Stück weiter und muss auf unser Rufen hin immer wieder stehen bleiben, weil wir verrückt sind vom Fotografieren und immer wieder eine andere Perspektive haben wollen.
Auf der rechten Seite sind jetzt auch Pferde und Lamas zu sehen, die zur Hacienda El Tambo gehören, die hier ihr Weideland hat. Die wollen wir auch fotografieren.
Und als schließlich eine Gruppe Gauchos auftaucht, sind wir ganz aufgeregt und wollen die auch aufs Bild bekommen. Die Gauchos werden hier "Chagras" genannt und sind jetzt am frühen Morgen auf ihrem Weg zur Arbeit in der Hacienda.
Wir drängen unseren Fahrer David, doch etwas schneller zu fahren, damit wir die Gruppe der Reiter noch erreichen, um das perfekte Foto zu schießen. Das macht er und ruft den Chagras zu, ob sie nicht einmal für ein Foto stehen bleiben könnten. Die machen das tatsächlich und wir kommen zu unserem ultimativen Fotoerlebnis:
Gestern hatten wir noch gemosert, dass wir die ganze Strecke wieder über die Schotterpiste bis zur Panamericana zurückfahren müssten, aber jetzt meckert keiner mehr, denn die schönen Fotos sind die Belohnung.

Um halb zehn sind wir wieder auf der Panamericana und fahren nach Süden.

Über die Via Lasso Tanicuchi biegen wir nach Saquisilí ab, wo heute am Donnerstag der "Mercado indigena de Saquilisí" abgehalten wird. Alle Bauern der Umgebung kommen zu diesem Wochenmarkt, der lebendig, ursprünglich und ohne Touristen stattfindet. Der ist sehr viel interessanter als der touristische Markt in Otávalo. Hier ein paar Eindrücke davon:

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Die Bauern schleppen säckeweise das Gemüse zum Markt.

Beim Gang über den Markt eröffnen sich immer neue Motive. Wir machen unendlich viele Fotos und Videoaufnahmen. Mein Akku in der Kamera ist schnell leer. Alles ist für einen "dollaricito" abgepackt: Entweder in einem Netz, einem Beutel, einer Schale, einem Eimer oder auf einem Haufen. Kinder und Babys werden mitgebracht und sitzen im Obst. Jede Menge Kaninchen und Meerschweinchen werden angeboten, um Behälter aus recycleten Autoreifen und Federvieh wird gefeilscht. Das Handeln gehört eben dazu. Wir spazieren über den Markt und sind fasziniert: Es ist nicht nur ein Gemüsemarkt, sondern auch ein Viehmarkt für Ziegen, Enten, Federvieh, Kaninchen und Meerschweinchen - auch Tauben und Katzen sind dabei. Dazwischen sitzen Medizinfrauen und Medizinmänner mit allerhand Salben und Fläschchen. Romy weist uns besonders noch auf den Bereich der Schneider hin, die hinter ihren alten Singer-Nähmaschinen sitzen und auf Bestellung alles anfertigen, was mit Textilien zu gestalten ist.

Hier ein kurzer Filmausschnitt:

Auf der Rückfahrt halten wir noch in Pujili, um das "Monumento el Danzante de Pujili" zu fotografieren und dann geht es über die kurvenreiche Strecke hinauf nach Quilotoa.

Bei 3850 m kommen die ersten Wolken und Nebelschwaden und wir fahren durch Hochmoorgebiete mit Feldern aus fruchtbarer Schwarzerde. Sogar ein Dorf Casa Quemada befindet sich hier oben in 4000 m Höhe. Am Künstlerhaltepunkt Galeria Arte Milenario Tigua machen wir eine Pause und kaufen für 20 $ ein Bild des Künstlers Julio Toaguiza.

Laguna Quilotoa

Bei recht schönem Wetter geht es weiter nach Zumbagua und dann zur Laguna Quilotoa, wo wir gegen 13:00 Uhr eintreffen. Die Lagune ist quasi der Krater des Vulkans Quilotoa. Nach der Legende der Inkas ist Toa die Prinzessin, die vom Condor entführt und zu einem weiblichen Condor verwandelt wurde.
Das Dorf ist im Aufbau zu einem Touristenziel: Viele Gebäude sind halbfertig und werden von den Familien, die früher hier Bauern waren, in Eigenarbeit errichtet, um für den zu erwartenden Touristenboom als Restaurants oder Hosterias zu dienen. Jeder erwartet etwas für sich vom Touristenboom. Irgendwie sieht alles sehr  provisorisch aus. Aber für die Einheimischen soll es ein Ausflugsziel mit der ganzen Familie für das Wochenende werden.


Wir fotografieren am Aussichtspunkt die Lagune und spazieren ein Stück oben am Rand entlang bis zu dem kleinen Restaurant mit einem Mirador, wo wir einen Coca-Mate trinken und ein Bizcocho mit einem Stück Schokoladenkuchen essen. Die Besitzerin erzählt uns, dass hier nur im August Hauptsaison ist.

Um 14: 00 Uhr fahren wir weiter und unser Fahrer David spielt moderne ecuadorianische Musik ab.
Die Sonne scheint und die Straßen sind eng und kurvig. Sie führt in den Bergen zwischen 3200 m und 3800 m Höhe durch die reich und gut bewirtschaftete Agrarlandschaft der Anden.

Wir müssen die gesamte Strecke wieder zurück bis zur Panamericana in Pujili, wo wir um 15:30 Uhr ankommen.
Wir machen eine kleine Pause am Omnibusbahnhof und schauen uns dahinter den Markt an. Der ist ähnlich wir in Saquisilí, aber nicht so groß. Touristen sind hier keine zu sehen, sondern nur einheimische Hausfrauen beim Einkauf.

Romy kommt mit der ersten Hiobsbotschaft für uns: Der Corona-Virus hat Ecuador erreicht. 15 Infekte - alle in Guayaquil. In Quito sind ab heute alle Schulen geschlossen.
Auf der Panamericana geht es jetzt schneller voran. Aber David erklärt uns, dass man trotzdem für die 115 km bis Riobamba mit 2 1/2 Stunden Fahrzeit rechnen muss. Südöstlich von Ambato sehen wir auf der linken Seite der Straße jetzt den 5000 m hohen Vulkan Tunguraruha, der auch noch aktiv ist und zuletzt 2016 ausgebrochen ist.

Nach der Legende ist er die Frau vom Chimborazo. Leider kann man ihn nicht richtig aus dem Auto heraus fotografieren, weil er im Gegenlicht der Sonne liegt.

Kurz nach 18:00 Uhr kommen wir in dem Hotel Hacienda Abraspungo bei Riobamba an. Alles ist toll. Wir werden mit einem Canelazo empfangen, der warm und richtig gut ist. Die Zimmer sind alle nach Nationalparks benannt. Wir bekommen Zimmer Puñay mit einem großen Bett und allem Komfort. Wir sind sehr zufrieden und essen am Abend gut im Restaurant. Inge nimmt die Seebrasse (12 $), ich ebenfalls für 12 $ die Camarones en ajillo und danach das Lomo Abraspungo (18 $). Das Bier wird mit 3,50 $ berechnet und wir bezahlen inklusive einem großzügigen Trinkgeld 63 $.

Leider ist alles sehr hektisch, weil wir von unserer Reiseleiterin hören, dass wir bereits am nächsten Morgen um 05:45 Uhr abfahren müssen, um in Alausí den Zug um 8:00 Uhr zu erreichen. Von dem schönen Hotel haben wir also heute nichts und morgen auch nichts von einem gemütlichen Frühstück. Wir sind nicht zufrieden mit der Reiseplanung, weil die Streckenabschnitte mit den Hotels ungünstig verteilt sind. Schließlich haben wir allein heute mehr als 5 1/2 Stunden im Bus gesessen. Aber das ist halt der Nachteil, wenn man eine Gruppenreise macht.
Dennoch ist das Hotel sehr schön und das Zimmer eines der besten, das wir auf unserer Ecuadorreise bekommen haben. Wenn Sie mehr über das Hotel wissen wollen, schauen Sie sich doch einmal meine Bewertungen bei Holidaycheck oder beim Tripadvisor an.

Freitag, 13.3. 2020

Nachdem wir im Dunkeln um 04:15 Uhr aufgestanden sind und unsere Koffer gepackt haben, fällt der Strom aus. Glücklicherweise haben wir eine Taschenlampe und können uns weiterhelfen. Dann springt lautstark das Notstromaggregat an und der Strom ist wieder da. Um 5:00 Uhr frühstücken wir und eine dreiviertel Stunde später fahren wir durch die noch dunklen Straßen Riobambas. Als die Sonne aufgeht, kommt der Chimborazo hinter den Wolken hervor.

Kurze Zeit später, als wir um halb sieben an der Kapelle in Balbanera halten, um ein Traumfoto von der Kapelle mit dem dahinter liegenden Chimborazo zu schießen, ist der Vulkan schon wieder hinter den Wolken verschwunden.

Man muss halt großes Glück haben hier in Ecuador. Und wahrscheinlich hat Romy mit dem frühen Aufstehen Recht, denn morgens ist der Himmel meist klar und all zu schnell sind die Wolken oder Nebelschwaden da, die alles verdecken.


Auf der Weiterfahrt umgeben uns dichte Nebelschwaden, die aus den Tälern aufsteigen. Wir sind auf 3245 m Höhe und bei der Einfahrt zum Städtchen Alausi sind es 3250 m. Die Abzweigung von der Durchgangsstraße zur Stadt ist sehr steil, sodass David sehr oft im ersten Gang hinunter fahren muss.

Nariz del Diablo - die Teufelsnase

Am Bahnhof stehen viele Leute und Romy übergibt uns die Platzkarten für den Waggon 1339. Alle Leute werden vor dem Einsteigen auf Fieber und Coronavirus-Verdacht untersucht - wir nicht.

Da der Waggon nicht ganz voll ist ist, können wir uns die Plätze aussuchen und Romy rät uns, die rechte Seite zu nehmen. Langsam setzt sich der Zug mit der Diesellok ratternd in Bewegung und es zieht fürchterlich, weil alle Leute auf beiden Seiten des Zuges die Fenster zum Fotografieren öffnen. Immerhin ist es ja gerade kurz nach 8 Uhr am Morgen und noch ziemlich kühl.
Der Zug auf der einspurigen Schmalspurbahn windet sich zunächst am Flusslauf entlang, bis es schließlich immer höher geht.


Manchmal liegt die Teufelsnase im Gegenlicht, weil gerade die Sonne dahinter hervorkommt. Hier ein Foto von dem Berg - man kann die Eisenbahntrasse erkennen.
Wir fotografieren viel und filmen auch die Umrundung:
Am Bahnhof Sibambe lädt uns Romy im Auftrag von Southamericatours zu Kaffee und Maiskuchen im Bananenblatt ein, aber so toll ist der auch nicht. Zur Unterhaltung der Gäste - das sind im Übrigen viele Ecuadorianer mit ihren Kindern - werden auf der Bahnhofsterrasse einheimische Tänze vorgeführt.

Um 10:00 Uhr geht es wieder zurück nach Alausi und jetzt werden wir eingehend auf Coronavirus-Symptome überprüft. Es wird nicht nur Fieber gemessen, sondern auch die Sauerstoffsättigung des Blutes.

Alle Ergebnisse werden zusammen mit unseren Passdaten an das Gesundheitsministerium geschickt. Anschließend bekommen wir einen orangefarbenen Aufkleber. Wir haben den Eindruck, dass hier die Digitalisierung schneller fortgeschritten ist als in Deutschland.

Ingapirca

 

Um 11:00 Uhr fahren wir weiter mit dem Ziel Ingapirca, das 2 1/2 Fahrtstunden entfernt liegt.

Die Fahrt geht weiter in dichtem Nebel auf einer Höhe von 3000 m und unser Fahrer David muss gut aufpassen, kennt aber die Strecke gut. Zwischendurch verwandelt sich der Nebel in Regen. Unterwegs stehen viele Schnellküchen an der Straße. Romy macht uns auf "Salchipapas" aufmerksam, das ist das neue Trend-Fast-Food in Ecuador: Geschnetzelte Würstchen oder Fleisch mit Kartoffelchips.
Unterwegs teilt uns Romy die
Hiobsbotschaft mit, dass Galapagos die Einreise für alle verweigert, die noch nicht 14 Tage im Land und ohne Symptome sind. Wir sind total geschockt und überlegen im Bus, was wir machen sollen. Die beiden anderen Paare, die mit uns unterwegs sind, wollen auf Galapagos verzichten und in jedem Fall nach Hause fliegen. Sie haben die Pauschalreise bei Meiers gebucht und sind der Ansicht, dass Meiers auch nun einen Rückflug für sie arrangieren müsse.
Folgerichtig soll Romy jetzt über Southamericatours mit Meiers Kontakt aufnehmen, um Galapagos zu stornieren und den Rückflug zu terminieren. Wir teilen unserer Reiseleiterin mit, dass wir zunächst nicht auf den Besuch der Galapagos-Inseln verzichten wollen. Sie soll deshalb mit ihrer Agentur Southamericatours  verhandeln und den Beginn des Reisebausteins auf den 22.3 verschieben, weil wir dann 14 Tage im Land wären und ohne Symptome. Bezahlt sei ja alles. Die erforderliche Zwischenzeit würden wir dann in einem Strandhotel an der Pazifikküste verbringen.
Im Reiseführer Ecuador und Galapagos aus dem Reise-Know How-Verlag ist auch eine Beschreibung des Inka-Trails enthalten, den man mit dem Ausgangspunkt Alausi über Ingapirca bis nach El Tambo entlang wandern kann. Die Tour dauert zwei bis drei Tage und verläuft immer in einer Höhe von 4000 Metern. Der Reiseführer ist im Übrigen sehr empfehlenswert und hat uns auf unserer gesamten Ecuador-Reise sehr geholfen. Die Erläuterungen einer Reiseleiterin vor Ort sind immer sehr lehrreich, aber anschließend hat man vieles wieder vergessen und da ist es hilfreich, wenn man etwas im Reiseführer nachlesen kann.

In ElTambo machen wir eine Mittagspause, essen Gemüse mit Reis, Hühnerfleisch und Kartoffelsalat. Dazu trinken wir warmen Tapiokasaft, der erstaunlich gut schmeckt. Während des Essens drehen sich alle Gespräche nur um das gesperrte Galapagos, die möglichen Flugbuchungen und Informationen, wie es weitergehen soll. In Deutschland ist es jetzt Freitagabend und da ist auch kein Büro mehr geöffnet. Bei den Reiseagenturen, der Notfallnummer von Meiers und der Hotline im Internet gibt es kein Durchkommen.

Romy hat inzwischen mit ihrer Agentur gesprochen und teilt uns mit, dass Ecuador ab sofort sämtliche Museen gesperrt hat. Auch Ingapirca ist für alle Besucher gesperrt. Als wir kurz vor drei dort sind, können wir nur am Zaun des Freilichtmuseums mit den Inka-Ruinen entlang gehen und ein paar Fotos machen.

Ein Wachmann spaziert einsam über die Anlage. Es ist uns unverständlich, dass man nicht 10 m weiter über die Wege des Freilichtmuseums gehen darf.

Die Ruinen von Ingapirca mit dem Sonnentempel, dem Observatorium mit den fugenlos zusammengesetzten Granitblöcken sind die besterhaltenen Relikte aus der Inkazeit.

 

Cuenca

Als wir kurz vor halb vier weiter in Richtung Cuenca fahren, wird es etwas heller, aber zwischendurch tröpfelt es immer wieder. Wegen der Lkws und des Berufsverkehrs am Freitagnachmittag geht es oft nur langsam voran. Und in Cuenca fängt es plötzlich an kräftig zu regnen. Die Stadt ist mit 532 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Ecuadors und UNESCO Weltkulturerbe.

Erst nach 17:00 Uhr sind wir in der Altstadt und brauchen wegen der vielen Einbahnstraßen eine weitere halbe Stunde, bis wir am Hotel San Juan eintreffen.
Wir bekommen ein tolles Zimmer in dem alten Herrenhaus, das zu einem Hotel mit stilvollen Möbeln und moderner Technik umgebaut wurde. Wir sind ganz erstaunt über die Herzbadewanne und die Balustrade darüber mit zwei weiteren Betten.


Am meisten freut uns aber der kleine elektrische Kamin, den wir sofort einschalten, weil es draußen so regnerisch und kalt ist. Leider ist auch die Empfangshalle sehr ungemütlich, weil dauernd die Türen offen stehen. Da die Lobby gleichzeitig Restaurant ist, frieren wir auch hier trotz eines Gas-Heizstrahlers beim Abendessen. Allerdings denken wir weniger ans Essen als vielmehr über unsere Lage nach.
Das Hotel ist sehr schön und empfehlenswert, falls Sie einmal nach Cuenca kommen. Mehr Informationen können Sie aus meiner Bewertung bei Holidaycheck oder dem Tripadvisor entnehmen.
Am Abend schreibe ich noch eine Mail an Southamericatours, ob eine Verschiebung vom Reisebaustein "Galapagos Island Hopping" auf den 22.3. möglich ist. Mittlerweile erscheint uns das schon unwahrscheinlich, deshalb erwähnen wir, stattdessen ein Strandhotel am Pazifik zu buchen und am 22.3. nach Bogotá zu fliegen, um von dort nach Cartagena zu kommen und dort unseren geplanten Karibikurlaub zu machen.
 

Samstag, 14.3. 2020

Gut geschlafen haben wir nicht; beim Frühstück drehen sich alle Gespräche wieder um Galapagos. Um 9:00 Uhr starten wir zur Stadtrundfahrt, die zuerst zur Panamahut-Fabrik führt.
Die Führung durch das Museum und die Hutfabrik ist sehr informativ, weil wir die Entstehung der Panamahüte und den Aufwand, den die Fertigung erfordert, so noch nie gesehen haben.


Den Grundstoff liefert die Toquilla Palme, die im Küstentiefland von Ecuador wächst. Die Blätter werden mehrmals gekocht, getrocknet und im Schwefelbad gebleicht. Nach dem Spleißen des Strohs beginnt die mühsame Arbeit der Flechterinnen. Die Frau erzählte uns, dass sie in Teilzeit arbeitet und für einen Hut zwei Tage braucht.
Je feiner die Fasern sind und je dichter sie geflochten sind, desto höher ist der Preis. Nach dem Waschen, Färben und Dämpfen geben die Näherinnen den Hüten den letzten Schliff. Ein einfacher Hut kostet hier etwa 15 Dollar, für sehr gute Hüte muss man 200-300 Dollar hinblättern.
Anschließend spazieren wir durch die Straßen der Altstadt und bestaunen die alten Fassaden, deren Entstehung und Renovierung Romy ausführlich erklärt. Sie gehören zum UNESCO Weltkulturerbe.

Cuenca ist das Zentrum der Hut-Herstellung und deshalb tragen die Einwohner auch stolz ihre Hüte, wenn sie durch die Stadt oder den Park spazieren gehen.
Selbst die Kleinsten bekommen einen Hut.


Beeindruckend ist auch die Kathedrale mit den hohen Rundbögen und gewaltigen rosafarbenen Travertinsäulen. Im Innern glänzen die Wände aus Alabaster.

Am Samstag Morgen sind die Altstadtstraßen noch nicht verstopft mit Autos, sodass wir ungestört hindurchspazieren können. Hier eine kleine Fotostrecke von unserem Spaziergang:

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Am frühen Morgen sind die Straßen in der Altstadt noch leer.

Ein schöner Spazierweg mit integriertem Fahrradweg führt am Rio Tomebamba entlang, den wir aber nicht richtig genießen können, weil es angefangen hat zu regnen und ziemlich ungemütlich wird.

Da jetzt das Weiterlaufen keinen Spaß mehr macht, bestellt Reiseleiterin Romy den Bus auf die andere Seite der Brücke und wir fahren zu der kunstvoll angelegten Galerie des berühmten Keramikkünstlers Edouardo Vega. Er hat ein sehr schönes Haus am Abhang zum Turi

Die Ausstellung ist wunderschön und die Keramiken sind wirklich von Künstlerhand gestaltet, aber keiner von uns kauft etwas.

Einige Schritte weiter kommen wir zu dem Aussichtspunkt Turi, wo man einen guten Blick über die Stadt hat. Auf dem Hügel befindet sich auch eine Kapelle.

Nachdem es gerade 10 Minuten zu regnen aufgehört hat, damit ich ein Foto vom Aussichtspunkt schießen konnte, fängt es nun an, richtig zu schütten. David fährt uns mit dem Auto nah an ein Schnellrestaurant an der Straße heran, wo Schweine, Hühner und Meerschweinchen gegrillt werden.


Schweine auf dem Grill an der Straße

Wir probieren alle das von unserer Reiseleiterin Romy empfohlene typisch ecuadorianische Gericht aus Schweinefleisch mit Mais und Kartoffeln. Die Schweine werden wie ein Spanferkel auf dem Rost gegrillt und die Schwarte wird kross gebraten.

Anschließend wird das Fleisch in Stücke gehackt und serviert. Es ist gut gewürzt und sehr lecker. Für 3,50 $ ein gutes Mittagessen.

Inzwischen regnet es so stark, dass Romy einen weiteren Stadtgang nicht für sinnvoll hält. Wir verzichten auf die Besichtigung der alten Kathedrale und fahren stattdessen ins Hotel zurück. Draußen ist es ungemütlich und kalt und wir brauchen unbedingt einen heißen Kaffee. In der Lobby erreicht uns die nächste Hiobsbotschaft: Ab Sonntag um Mitternacht werden sämtliche Flüge nach Ecuador eingestellt und ab Montag ab 23:50 Uhr sind auch keine Flüge mehr aus Ecuador heraus möglich, weil die Flughäfen geschlossen werden. Die Corona-Krise hat uns jetzt voll erwischt!

So rätseln wir hin und her, was wir machen sollen. Romy erzählt uns, dass viele Gäste in den voran gegangenen Jahren im Anschluss an den Besuch der Galapagos Inseln einen Erholungsurlaub an der Pazifikküste gebucht hätten und mit dem Hotel Decameron Punta Centinela sehr zufrieden gewesen seien. Deshalb entscheiden wir uns, endgültig auf Galapagos zu verzichten und für die entsprechende Zeit dieses Hotel zu buchen. Wir schauen uns im Internet das Angebot an und finden es akzeptabel.

Nach einigen Versuchen klappt die Buchung und wir hoffen, dass wir irgendwann auch nach Bogotá fliegen können, wenn die Bestimmungen wieder gelockert werden.
Irgendwie scheint auch das Wetter unsere Entscheidung zu begrüßen, denn nach dem Regen scheint jetzt draußen die Sonne. Wir machen aber trotzdem keinen Spaziergang mehr, sondern bleiben im Hotel. Inge hat sich bei dem dauernden Durchzug erkältet und ich schreibe mein Tagebuch von heute. Um 19:00 Uhr treffen wir uns wieder mit Hans und Ute zum Abendessen. Da wird uns mitgeteilt, dass das Restaurant geschlossen ist, weil der Koch nicht gekommen ist. Man werde das Restaurant und das Hotel schließen, wenn wir morgen abreisen. Aber das Frühstück morgen früh sei noch gesichert.
Wir sind geschockt - aber der Kellner tröstet uns: Es gäbe das Hotel Inka mit einer ganz ordentlichen Küche hier auf der Straße. Das sei geöffnet und er könne das empfehlen. Also gehen wir dorthin und bekommen auch sehr leckere Fajitas.

Um 21:15 Uhr liegen wir bereits im Bett und sind etwas beruhigter als gestern.

Sonntag, 15.3. 2020

Wir sitzen um 7:00 Uhr beim Frühstück in dem kalten Empfangsraum und stellen um 8:15 Uhr unsere Koffer vor die Tür. Um halb neun starten wir durch die menschenleeren Straßen der Altstadt und fahren den Rio Tomebamba entlang nach Norden in den Cajas Nationalpark. Unser Ziel ist für heute der Endpunkt des Reisebausteins "Höhepunkte Ecuadors", das ist die Stadt Guayaquil. Romy hat uns erklärt, dass ihre Aufgabe beendet sei, wenn sie uns am 16.3. am Flughafen Guayaquil abgeliefert hätte.

Unterwegs steigt schon der Rauch aus den Straßenrestaurants auf. Sie heizen bereits die Grills für die Schweine an, die sie für die Ausflügler zubereiten. Heute ist Sonntag und viele Familien machen einen Ausflug in den Cajas Nationalpark.

Auch hier ist das Handy eine Gefahr: "Denk an dein Leben - schau nach vorn!" heißt es auf dem Schild.

 

Cajas Nationalpark

 

Am Eingang des Nationalparks halten wir am Restaurant Don Guevara, probieren einen Maiskuchen und fotografieren den Garten mit den Bergen im Hintergrund. Es ist schönes Wetter und wir sind jetzt bereits 3700 m hoch.


Ein Stück weiter halten wir am Aussichtspunkt "Tres Cruces". Es ist die Wasserscheide zwischen den Anden und dem Pazifik. Trotz des sonnigen Himmels ist es hier auf 4178 m Höhe zugig und kalt.

Der gesamte Nationalpark ist eine einzigartige Hochmoorlandschaft mit vielen Kraterseen auf 4000 m Höhe. Die Wanderwege sind aber nur geeignet für erfahrene Höhenwanderer.


Auch der Inkatrail, der von Cusco nach Quito führt, geht durch dieses Gebiet. Wer ihn nicht zu Fuß gehen will, kann hier Pferde, Lamas oder Esel mieten, die ihm die Strapazen erleichtern.

Die Landschaft hier oben ist wunderschön mit den mehr als 230 Lagunen. Man kann zelten, reiten, Lamas streicheln, Vögel beobachten, campen oder auch nur fotografieren. Es gibt nur eine einzige Schutzhütte zum Übernachten bei Toreadora. Einkaufsmöglichkeiten oder Restaurants sind nicht vorhanden. Auch keine Papierkörbe. Man muss alles, was man in den Park hinein bringt, auch wieder mit nach Hause nehmen.
Der Pazifik ist von hier nur 65 km Luftlinie entfernt, aber der Straße nach sind es doppelt so viele Kilometer. Bei der Weiterfahrt müssen wir zuerst durch viele Nebelwolken, weil hier das gleiche Phänomen vorhanden ist wie vor Papallacta mit dem Amazonasbecken: Die warmen Luftschichten des Pazifiks treffen auf die kühlen Winde der Anden.

Es muss in den letzten Tagen hier viel geregnet haben, denn links und rechts von der Straße sehen wir oft Erdmassen, die auf die Straße gerutscht sind. David muss gut aufpassen, denn manchmal sieht man die Straßenbegrenzung im dichten Nebel fast gar nicht. Ich bin eigentlich froh, dass wir die Fahrt nicht allein mit einem Mietwagen gemacht haben.

Die Schlammmassen überschütten manchmal die Straße. Es ist schon vorteilhaft, wenn man hier mit einem erfahrenen Fahrer unterwegs ist.

Um kurz vor 11:00 Uhr machen wir eine Toilettenpause im Café de Panas auf 2300 m Höhe im Nebel. Hier werden wir wieder sehr an das erinnert, was uns unsere Reiseleiterin Romy immer eingetrichtert hat: Immer Seife und Toilettenpapier mitnehmen, weil es diese beiden Dinge nicht überall gibt. Die Anweisungen für die Toilettenbenutzung sind ganz witzig.

Auf der Weiterfahrt geht es wieder in den Nebelwald. Farnbäume bestimmen jetzt die Umgebung und viele fruchtbare Felder dazwischen. Es wird immer wärmer und die Scheiben im Bus beschlagen. Jetzt wird von Zeit zu Zeit schon zaghaft ein Fenster geöffnet, um frische Luft hereinzulassen. Während auf der linken Seite noch die Berge sind, breiten sich rechts immer mehr Bananenplantagen aus.
Als wir an einem Früchtestand auf 1000 m Höhe an der Straße halten, ist es bereits tropisch warm und feucht.


Das Obst ist fantastisch. Die Mangos sind unvergleichlich süß. 4 Stück kosten einen Dollar. Wir probieren die roten Bananen und sind begeistert. Ecuador ist wirklich ein Schlaraffenland, was Obst und Gemüse angeht.

Ein Stückchen weiter sind rings um uns nur noch blühende Gärten und Bananen- oder Obstplantagen zu sehen. Allerdings spüren wir die tropische Hitze jetzt deutlich. Wir sind jetzt nur noch 200 m hoch und ich ziehe mir ein T-Shirt an, aber die dicke Jeans bringt mich zum Schwitzen. In unseren Ohren spüren wir immer den Druck der Höhe; erst langsam gewöhnen wir uns an die Küste und die Wärme.

In Puerto Inca machen wir eine Mittagspause und probieren nach der Empfehlung von Romy die frittierten Camarones mit Reis und Maisröstis. Als Vorspeise gibt es Zapotes-Früchte.

Es ist warm, tröpfelt aber, als wir gegen halb zwei abfahren. Eine halbe Stunde später sind wir in einer Kakaoplantage und kämpfen mit den Moskitos.
Der Ingenieur schildert uns den Anbau der Kakaobäume, die unter großen Bäumen, die viel Schatten spenden, zusammen mit Bananenstauden in biologischer Eintracht gedeihen.

Der Rundgang durch die Plantage und die Verarbeitungsanlagen ist ganz lehrreich. Zum Schluss probieren wir die 75%ige Schokolade, die nicht schmilzt, weil sie keine Milch und keine Kakaobutter enthält.

Guayaquil

Danach geht die Fahrt nach Guayaquil, wo wir gegen 15:00 Uhr eintreffen. Zuerst fahren wir zum Flughafen und laden dort die beiden anderen Paare ab, die direkt nach Hause fliegen wollen. Sie haben mit KLM einen Flug nach São Paulo bekommen und wollen von dort nach Frankfurt. Romys Aufgaben als Reiseleiterin sind hier zu Ende. Wir bedanken uns bei David, unserem Fahrer und bei ihr mit einem guten Trinkgeld und sie hilft uns noch durch die Sperre am Flughafen. Wir müssen unsere Pässe zeigen, aber die Sicherheitsbeamten lassen nur mich allein hindurch. Inge, Ute und Hans lassen mich schweren Herzens mit den Pässen allein und fahren mit Romy zum Hotel Unipark, wo ja für heute unsere Übernachtung reserviert ist.
Anschließend stelle ich mich mit allen Pässen in die Warteschlange am Avianca-Schalter und storniere unsere Flüge nach Baltra und zurück. Das klappt problemlos, aber dann wird es kompliziert, weil das System die Umbuchung am 21.3. nach Quito nicht akzeptiert. So müssen wir am 20.3. nach Quito fliegen und dort übernachten, damit wir am 21.3. in Bogota sind.
Den Weiterflug nach Cartagena lässt die Mitarbeiterin von Avianca noch bestehen, weil es ungewiss ist, ob wir dorthin können. Das sollten wir entscheiden, wenn wir in Bogota sind, weil abgewartet werden muss, wie Kolumbien auf die Corona-Situation reagiert.

Anschließend fahre ich mit dem Taxi für 6 $ zum Hotel Unipark und wir diskutieren unsere neue Situation bei einem Bier im Hotelrestaurant. Ute macht derweil ein schönes Foto von der Kathedrale.

Unser Zimmer ist klein, aber klimatisiert und mit schöner Dusche. Das WLAN funktioniert auch. Wenn Sie mehr über das Hotel wissen wollen, das eigentlich sehr günstig mitten in der Stadt liegt und sich für sämtliche Erkundungen in der Umgebung gut eignet, schauen Sie sich doch meine Bewertung bei Holidaycheck und beim Tripadvisor an.

Ich verbringe den Abend mit Recherchen im Internet, ob ich den Lufthansaflug umbuchen kann, wenn wir gar nicht nach Cartagena fliegen können. Als Ergebnis bekomme ich heraus, dass ich die Flüge von Inge, mir und Hans problemlos umbuchen kann, aber nicht für Ute, da sie einen Prämienflug bei Miles and More gebucht hat.

Tröstlich: Southamericatours hat mir jedenfalls eine Bescheinigung geschickt, damit ich im Reisebüro die Rückerstattung des Galapagos-Bausteins bei Meiers Weltreisen beantragen soll:
Inzwischen bekommen wir auch von der der Deutschen Botschaft aktuelle Meldungen, weil wir uns auf der Liste derjenigen eingetragen haben, die nach Deutschland zurückgeholt werden möchten.

Liebe Landsleute,

Die Ausbreitung der Atemwegserkrankung COVID-19 führt vielerorts zu verstärkten Restriktionen im Reiseverkehr. Nachdem Ecuador bereits am Freitag für alle Einreisenden aus besonders betroffenen Ländern, darunter auch Deutschland, eine verpflichtende Quarantäne von 14 Tagen eingeführt hatte, wurde die Schließung der Grenzen für den internationalen Reiseverkehr angekündigt. Zudem wird auch der inner-ecuadorianische Bewegungsraum seit Dienstag, den 17.03. erheblich eingeschränkt; die ecuadorianische Bevölkerung ist dazu aufgerufen, soweit möglich zu Hause zu bleiben. Touristische Ziele werden weitgehend geschlossen. Wir raten daher allen deutschen Touristen, die sich derzeit in Ecuador befinden, so schnell wie möglich Kontakt mit den Fluglinien aufzunehmen, um zu klären, wann und wie die Rückreise möglich ist. Die Airlines und die ecuadorianische Regierung sind bemüht, allen Touristen die Ausreise zu ermöglichen.
Ab heute 16:00 Uhr und morgen ab 14:00 Uhr herrscht auch in Guayaquil ähnlich wie schon seit gestern in Quito eine umfassende Ausgangssperre, bitte bleiben Sie nach Möglichkeit in Ihrer Unterkunft. Der Flughafen Guayaquil wurde zudem am Mittwochnachmittag überraschend für die Rückholflüge der kommerziellen Fluglinien gesperrt, so dass die KLM-Maschine auf dem Weg nach Amsterdam nicht landen konnte und nach Manta umgeleitet wurde. Im Moment suchen wir gemeinsam mit den ecuadorianischen Behörden nach einer Lösung für die Rückholflüge.
Zusätzliche Information für Personen, die sich derzeit noch auf den Galápagosinseln aufhalten: Leider gestaltet sich die Ausreise von den Galápagos-Inseln derzeit schwierig. Die Botschaft ist mit den Fluglinien Avianca und LATAM sowie den Flughafenbehörden in Kontakt, um zusätzliche Flüge zu organisieren. Die Fluggesellschaften bitten um Verständnis, dass sie bei den nächsten Flügen zunächst ihren eigenen Kunden Vorrang für den Rückflug einräumen müssen. Bei nachfolgenden Flügen sollen auch Passagiere bedacht werden, die zuvor keine Tickets derselben Linie hatten.

LATAM beabsichtigt, das Einverständnis der Flughafenbehörden vorausgesetzt, am Donnerstag oder Freitag einen Flug anzubieten. Passagiere die ein Rückflugticket von LATAM haben, sollen sich bitte morgen, Donnerstag 19.03. zwischen 09.00 – 16.00 Uhr im Büro der Fluggesellschaft in Puerto Ayora (Ave. Charles Darwin, frente a la Capitania) einfinden.

Auch im Rest des Landes gilt: Bitte bleiben Sie soweit möglich zu Hause bzw. in Ihrer Unterkunft. Der Flugverkehr im Inland wurde ausgesetzt, auch der Überlandverkehr mit Bussen im Lande sowie der öffentliche Nahverkehr in den großen Städten. Fahrten zum Flughafen im Taxi sind weiterhin möglich, bei Bedarf kann die Botschaft einen entsprechenden Passierschein ausstellen. Bitte rechnen Sie ausreichend Zeit für die Fahrt ein! Allen, die bereits ein Rückflugticket haben, rät die Botschaft dazu, online einzuchecken und 3 Std. vor Abflug mit allem Gepäck am Flughafen zu sein, da die Flüge überbucht sind. Achtung, der Zugang zum Flughafen Quito ist seit dem 16.03. nur noch für Passagiere mit gültigem Ticket möglich!

Für die seit Freitag, dem 13. März aus den betroffenen Ländern eingereisten Personen gilt weiterhin eine zweiwöchige Quarantänepflicht. Die Quarantäne soll in hierfür speziell ausgesuchten Hotels durchgeführt werden. Personen, die in Ecuador Verwandte oder Bekannte haben, können die Quarantäne unter Umständen auch bei diesen ableisten.

Da die Airlines derzeit schwer zu erreichen sind, bietet die Botschaft an, zu Ihrer Unterstützung eine gesammelte Liste an die Fluggesellschaften weiterzugeben. Falls Sie vergeblich versucht haben und nun auf diese Liste wollen, melden Sie bitte folgende Daten über das Kontaktformular unserer Webseite https://quito.diplo.de/ec-de/service/kontakt-formular

Die Botschaft bittet Sie, davon abzusehen nach Verbindungen von Amsterdam, Paris und Madrid an Ihre jeweiligen Heimatorte zu fragen. Derzeit liegen hierzu keine Informationen vor.  Die Kapazitäten der Botschaft werden dazu genutzt, möglichst vielen Touristen zur Ausreise aus Ecuador zu verhelfen. Die Rückholflüge gehen bis zu den oben genannten Orten. Die Einreise nach Deutschland ist für alle möglich, die deutsche Staatsangehörige sind oder ihren Wohnsitz in Deutschland und einen gültigen Aufenthaltstitel haben. Die genauen Reiseverbindungen müssten dann vor Ort geklärt werden

Eine letzte Bitte: Bitte sehen Sie von Einzelanfragen ab, da die Botschaft klein ist und über begrenzte Ressourcen verfügt. Wir informieren Sie über die so genannten Landsleute-Briefe. Die Botschaft arbeitet mit Hochdruck daran, dass Sie nach Deutschland zurückkehren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Botschafts-Team


Montag, 16.3. 2020


Romy hat am Abend noch etwas für uns erledigt und mit dem Decameron Hotel Punta Centinela telefoniert, dass heute um 10:00 Uhr ein Mitarbeiter des Hotels am Schalter des Hotels im Flughafen sitzt und den Transfer zum Hotel in Santa Elena organisiert.
Nach dem sehr guten Frühstücksbüffet setzen uns David und Romy am Flughafen ab, wo wir erst einmal viele Formalitäten über uns ergehen lassen, die Pässe vorzeigen und Formulare ausfüllen müssen, dass wir die letzten 14 Tage nicht in Asien oder Europa waren und frei von Corona-Symptomen sind.
Im Serviceraum von den Decameron Hotels im Flughafen sitzt ein Mitarbeiter der Hotelgruppe und nimmt unsere Anmeldung entgegen.

Um halb elf bringt uns José vom Decameron-Schalter zum Bus, der draußen steht. Sonst fährt keiner mit. Für die Fahrt hin und zurück bezahlen wir 124 $ für die 4 Personen im Minibus. Eigentlich ist das nicht zu viel, also knapp 16 $ pro Person für eine Strecke. Es fängt an zu regnen, als wir losfahren. Der Fahrer fährt bei weitem nicht so geduldig und besonnen wir David, sondern manchmal 100 oder 110 km/h. Außerdem telefoniert er während der Fahrt - aber so ist das eben hier.
Durch die schnelle Fahrt schaukeln wir ganz schön in dem Bus; das wird besser, als wir auf die Autopista kommen, denn hier ist die Straße gut ausgebaut. Dafür muss man aber auch an der Zahlstelle Maut bezahlen. Pkw kosten 1 Dollar, unser Minibus kostet 2 Dollar. Unser Fahrer kennt genau die Strecke mit den Radarfallen, deren Kameras hier vorwärts und rückwärts fotografieren.

300 m vorher bremst er immer ab, sodass er kurz vorher immer auf 79 km/h ist. 80 sind erlaubt und wer mehr als 10 darüber ist, muss 180 Dollar zahlen und ist 3 Punkte von seinen 30 Punkten los, die er im Führerschein hat. Er habe noch alle, sagt er.
Genau 2 Stunden später sind wir am Hotel und werden von einem Team aus Servicekräften, der Managerin und einem Arzt mit Gesichtsmasken empfangen.

Das finden wir sehr lustig und machen Fotos. Anscheinend kümmert man sich hier sehr um die Gesundheit der Gäste.
Der Spaß hört allerdings auf, als wir von dem Arzt erfahren, dass wir in Quarantäne gehen müssen für 5 Tage, weil die 14 Tage infektionsfreie Aufenthaltsdauer noch nicht erfüllt sind. Aus unseren Pässen ginge hervor, dass wir am 7. März eingereist seien und heute sei der 16. März. Wir müssten unser Essen aufs Zimmer bestellen und dürften dieses auch nicht verlassen. Wir dürften auch nicht an den Strand oder spazieren gehen. Das sei vom Gesundheitsministerium so verfügt worden und er könne nichts daran ändern. Als wir ihn darauf hinwiesen, dass ja da vorn auch Leute am Strand säßen, gab er uns zur Antwort, das könnten wir dann ab 22.3. auch.

Wir sind total erschüttert und nicht bereit, das so zu akzeptieren.

Ich erkläre der Managerin, dass wir unter diesen Umständen sofort nach Guayaquil zurückfahren würden. Wir sind erleichtert, , als sie zugesteht, dass wir dann den Transport hierhin nicht bezahlen müssten   und auch nicht die gebuchten 5 Tage , weil wir ja im Hotel nicht eingecheckt hätten.
Daraufhin wird von der Managerin ein anderes Auto mit einem anderen Fahrer herbeigeordert, der uns dann zurück nach Guayaquil bringen soll. Das Auto ist viel kleiner, aber das Gepäck bekommen wir verstaut und Inge, Ute und Hans nehmen auf der Rückbank Platz.

Der Fahrer ist ganz redselig und wir unterhalten uns über seine Lebenssituation und die politischen Verhältnisse in Ecuador. Um 15:20 Uhr sind wir endlich am Flughafen von Guayaquil. Gott sei Dank werden wir hineingelassen, weil wir ja Tickets für einen Flug nach Galapagos für den heutigen Tag vorweisen können.

Als wir am Schalter an der Reihe sind, frage ich die Angestellte, welche Möglichkeiten der Umbuchung es gibt. Ich erhalte die Antwort, dass wir nicht nach Bogota könnten, auch nicht nach Lima oder nach Panama. Sämtliche Flüge aus Ecuador ins Ausland seien untersagt. Wir könnten nur nach Quito fliegen.


Ratlos in Guayaquil

Da ich mich daran erinnerte, dass Romy uns geraten hatte, nach Quito zu kommen, weil es von dort die besten Flugmöglichkeiten gäbe, war ich mit dem schnellsten Flug nach Quito einverstanden.
Dann geht alles sehr schnell: Die Angestellte fragt, ob wir unser Gepäck dabei hätten. Ich bejahe das und sie erkundigt sich am Check-In-Schalter, ob in der für die zum Abflug bereit stehende Maschine nach Quito noch Plätze zur Verfügung ständen. Und tatsächlich können wir sofort einchecken und bekommen Reihe 2 und 3 in der Business-Class.

Als wir unsere Plätze eingenommen haben, sind wir erst einmal erleichtert. Der Flug soll etwa eine Stunde dauern und die Stewardess macht die Durchsage, dass sie sofort zu verständigen sei, wenn Symptome wie Kopfschmerzen oder Fieber bei einem Fluggast aufträten.
Wir starten pünktlich um 16:50 Uhr und sehen unter uns eine riesige Lagunen- und Flusslandschaft mit Feldern und Kanälen. Es ist die Gegend, die wir vorher mit dem Auto durchfahren haben.



Quito


Um halb sechs sind wir in Quito und marschieren sofort zum Avianca-Schalter. Auf dem Foto habe ich noch gute Laune, weil nicht so viele vor mir in der Warteschlange stehen.

Da kommt die nächste Hiobsbotschaft: Alle Flüge von Avianca sind ab sofort storniert; es ist auch keine Umbuchung mehr möglich. Auch die Flüge von LATAM und TAME nach Lima sind storniert. Auf der Anzeigetafel sind sämtliche Flüge storniert. Nur ein einziger von COPA geht noch morgen früh.

Jetzt ist guter Rat teuer. Wir setzen uns in der Wartehalle in ein Café und überlegen, was wir tun können. Per Internet ist auch keine Buchung möglich.
Ich schreibe eine Mail an meine Schwiegertochter in Deutschland. Die wird zwar mitten in der Nacht ankommen, aber ich hoffe, dass ich sie nicht wecke und dass sie am Morgen vielleicht telefonischen Kontakt mit der Lufthansa aufnehmen kann. Ich erkläre ihr, dass wir auf dem Flughafen in Quito sitzen, und versuchen werden, von hier noch wegzukommen, weil der Flughafen gleich schließt. Heute Nacht geht noch mit der COPA eine Maschine nach

Panama, die wir bekommen wollen. Inge und ich haben mit Lufthansa gebucht, Hans auch, aber Ute bei Miles and More einen Prämienflug.  Wenn wir nach Panama kommen, kann man alle canceln und neu mit Lufthansa  oder Condor buchen oder vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit mit Lufthansa. Vielleicht sogar von Bogotá. Das sind die beiden Städte, die von hier aus gut erreichbar sind und die einen Lufthansa-Anschluss haben.

Eine Dame von der Infotheke hilft uns und verschafft uns mit ihrer Dienstmarke den Zugang zu den Büros der Airlines. Bei Copa Airlines erklärt man uns, die Maschine nach Panama, die nachts um 04:40 Uhr abfliegen soll, sei total überbucht und wir seien die Nummern 13-16 auf der Warteliste. Die Aussichten wären gleich Null. Bei KLM und Air France sind die Büros schon geschlossen. Die Lufthansa hat kein Büro hier.
Wir gehen wieder zurück zur Infotheke und fragen nach einem Flughafenhotel. Alle Hotels in der Nähe sind ausgebucht, aber das Wyndham Garden in der Innenstadt habe noch freie Kapazitäten. Also buchen wir dort zwei Zimmer und fahren mit dem Taxi für 25 $ dorthin.

Die beiden Zimmer 504 und 506 sind sehr schön und wir buchen zum Preis von 122 $ erst einmal eine Nacht mit der Option für eine weitere. Bei einem Bier in der Bar überlegen wir zusammen, welche Möglichkeiten wir haben, hier weg zukommen. Wir beschließen, morgen zur Deutschen Botschaft zu fahren, um uns zu erkundigen, wie wir wieder nach Deutschland kommen, denn inzwischen haben wir Bogotá und Cartagena aufgegeben. Jetzt wollen wir nur noch nach Hause!

 

Dienstag, 17.3. 2020

Wir haben recht gut geschlafen und sitzen um 7:30 Uhr beim ganz guten Frühstücksbüffet. Es ist zwar nicht alles da, aber der Ober ist freundlich und rückt auf Anfrage auch Toast, Früchte und Spiegeleier heraus. Es sind nur ganz wenige Gäste im Hotel. Wir bekommen eine Mail von meiner Schwiegertochter, die für uns bei der Lufthansa einen Rückflug organisiert hat. Mit Avianca nach San Salvador, von dort nach Mexico City und dann mit der Lufthansa nach Frankfurt. Unsere Laune bessert sich gewaltig, als wir im Mailanhang die Buchungsnummern und die e-tickets vorfinden. Allerdings ist der Preis von 4000 Euro für ein Economy-Ticket ziemlich unverschämt.

Wir bekommen die Information vom Hotelmanagement, dass wir das Hotel nicht verlassen dürfen. Der Chef erlaubt aber, dass wir mit dem Taxi in die Altstadt fahren und dort einen Spaziergang machen. Der ist ziemlich traurig, weil außer einigen Bettlern und armen Leuten nur noch Polizisten auf den Straßen zu finden sind.


Der dunkle Himmel und das regnerische Wetter verdüstern noch die Stimmung, die über der Stadt liegt, die wir von unserem vorigen Besuch so lebendig wahrgenommen hatten.

Vom Hotel sind wir großzügig mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet worden, die wir auch brav anziehen, damit uns kein Polizist anhält.


Jetzt können wir auch den Regierungspalast sehen, der beim letzten Besuch gesperrt war.

Danach fahren wir mit dem Taxi wieder zum Hotel zurück und rufen die Botschaft an, weil meine Schwiegertochter  inzwischen eine Sprachnachricht per Whatsapp geschickt hat, dass der Flug von Quito nach San Salvador und Mexico City doch nicht klappt, weil der Flughafen Quito geschlossen wurde.

Wir rufen die Deutsche Botschaft an und erhalten die Antwort, dass es uns ja noch gut ginge, denn in Panama säßen Tausende fest, in Ägypten sogar 15 000. Wir sollten uns in die Notfall-Liste eintragen lassen und die KLM anrufen, die hätte einen Flug von Quito nach Amsterdam am Sonntag. Nach einigen hoffnungsvollen Versuchen im Internet klappt die Buchung aber nicht und per Telefon auch nicht. Nach fast einer Stunde in der Warteschleife haben wir einen Mitarbeiter von KLM in der Leitung, der uns 2 Economyplätze für je 1800 $ und 2 Plätze Business für je 4700 $ anbietet. Allerdings müssten wir die sofort bezahlen und gecancelt werden könnten die natürlich auch. Wir haben gar nicht so viel Geld auf unserer Kreditkarte und sind sehr unsicher, was wir machen sollen. Wir vertrauen immer noch auf den Abflug der Avianca von Quito nach San Salvador, weil wir die Bestätigung per Mail bekommen haben, dass der Flug stattfindet.

Abends essen wir in der Lobby, weil das Restaurant geschlossen ist. Alles wird sehr schön serviert und der Service ist außerordentlich freundlich. Das tut uns sehr gut in dieser Situation. Wenn Sie einmal nach Quito kommen, kann ich Ihnen dieses Hotel nur wärmstens empfehlen. Lesen Sie doch meine Bewertung bei Holidaycheck oder beim Tripadvisor.

Mittwoch, 18.3. 2020

 

Der Tag beginnt hoffnungsvoll, weil meine Schwiegertochter anruft und durchgibt, dass der Flug mit Lufthansa bestätigt ist. Wir machen einen Spaziergang rings um den Carolina-Park, denn hinein dürfen wird nicht.

Die Polizei hält uns an, fragt, wo wir herkommen und wo wir hin wollen und macht uns darauf aufmerksam, die Masken vor das Gesicht zu ziehen. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Den Nachmittag verbringen wir in der Lobby unseres Hotels, während am Bildschirm über uns die Schreckensnachrichten vom Corona-Virus aus der ganzen Welt erscheinen: 2585 Tote in Italien und gesperrte Flughäfen überall. Sehr deprimierend bei dem schönen Wetter da draußen. Wie schön könnten wir jetzt am Pazifikstrand liegen und das Leben genießen!

Donnerstag, 19.3. 2020

 

Es ist wieder blauer Himmel draußen. Wir machen einen Spaziergang um den Carolinapark in der anderen Richtung.

Die Straße der Vereinten Nationen ist leer. Kein Mensch ist zu sehen, nur ein paar Taxis fahren durch die Stadt.

Das Hotel ist jetzt geschlossen und die Tür ist mit einem Stahlseil verriegelt. Ab und zu fährt aus der Küche ein Wagen mit Essensportionen hindurch und liefert Bestellungen aus. Danach ist wieder alles zu.

Am Nachmittag versuchen wir, einen Online-Check-In für unseren gebuchten Flug um 05:10 Uhr heute Nacht nach San Salvador und Mexico City zu machen. Auf den Webseiten der Lufthansa und Avianca wird unser Flug zwar korrekt angegeben, aber das Einchecken wird nicht zugelassen. Wir sind skeptisch, hoffen aber dennoch, dass es klappt. Man soll wegen der strengen Kontrollen 3 Stunden vor Abflug am Flughafen sein.

Vorsichtshalber drucken wir die Buchung mit den E-Tickets aus, denn wir haben Sorge, dass wir sonst nicht in den Flughafen hinein gelassen werden. Leider wird unsere Idee zunichte gemacht, dass wir hier morgens um 02:00 Uhr losfahren können, denn nach 20:00 Uhr darf kein Auto mehr fahren.
Unsere Rezeptionistinnen sind aber clever und organisieren für uns einen Taxitransport um 19:00 Uhr zum Hotel Wyndham Airport und melden uns dort an, sodass wir bis 22:00 Uhr zu Abend essen können und danach um 02:00 Uhr zum Flughafen gebracht werden. Das klappt, aber die Kontrollen sind scharf und wir werden auf der Fahrt 3x angehalten. Der Fahrer hat einen Passierschein und wir benötigen unseren selbst ausgedruckten gar nicht.

Nach einer halben Stunde sind wir am Flughafen und geben im Wyndham Airport unsere Koffer zur Aufbewahrung, denn wir wollen ja nur hier essen und um 02:00 Uhr mit dem Shuttle des Hotels zum Flughafen, weil man drei Stunden vor Abflug da sein muss.

Man sagt uns, zum Flughafen müssten wir zu Fuß gehen, aber das sei bequem in 10 Minuten zu schaffen.
In der Lobby ist eine Anzeigetafel befestigt, die wie in der Flughafenhalle alle Ankunfts- und Abflüge zeigt. Sie nimmt uns jeden Mut.

Das Restaurant ist schon voll und alle haben langes Sitzfleisch, denn schließlich warten alle Gäste hier auf einen Flug nach Hause. Die meisten sind Amerikaner und Kanadier in kurzen Hosen und leichter Kleidung, ein paar Deutsche, Chinesen und Pakistani sind auch dabei.

Nach fast einer Stunde Wartezeit wird endlich ein Tisch frei und wir können zum Abendessen gehen. Dabei vergeht uns der Appetit, denn die nächste Hiobsbotschaft trifft in Form einer Whatsapp-Nachricht von meiner Schwiegertochter ein: Der Lufthansaflug sei gestrichen. Jetzt sind wir völlig ratlos, was wir machen sollen.
Der Lufthansaflug ist hier immer noch bestätigt und paradoxerweise lädt uns Avianca per E-mail zum Einchecken ein. Kurz nach 23:00 Uhr überlegen wir, gar nicht mehr eine Stornierungsmeldung von Avianca abzuwarten, sondern stattdessen im Internet einen KLM-Flug zu buchen, wie uns meine Schwiegertochter und die Deutsche Botschaft empfohlen hatten.

Nach mehreren Versuchen sehen wir dann für den 25.3. noch 7 freie Plätze - allerdings alles Business - und buchen vier davon für jeweils 1863 $ pro Ticket. Als die Reservierung geklappt hat und wir die Bestätigung per E-mail bekommen haben, sind wir erleichtert und checken kurz vor Mitternacht im Hotel für 6 Nächte ein.

Wir bekommen Zimmer 415 und 337 zum Preis von 120 $ incl. Steuern und Service. Alle Zimmer sind groß, modern und komfortabel eingerichtet. Als ich um 0:30 Uhr ins Bett gehe, trifft die Mail von Avianca ein, dass der Flug nicht stattfindet:

¡Querido viajero!

Sabemos que se acerca tu vuelo hacia El Salvador. Por eso, te informamos que de acuerdo con las directrices del Gobierno de El Salvador de cerrar las fronteras y aeropuertos del país con el fin de prevenir y controlar la propagación del Coronavirus (COVID-19), Avianca ha suspendido todos los vuelos internacionales a partir .

 

Freitag, 20.3. 2020

 

Wir haben gut geschlafen und um 8:30 Uhr ist beim Frühstücksbüffet viel Betrieb und kein Tisch mehr frei. Mittags scheint die Sonne und es ist den ganzen Tag schönes Wetter bei nur wenig Wind. In der Lobby sitzen viele Leute mit ihren Koffern und warten auf den Abflug der KLM um 17:30 Uhr. Die fliegt tatsächlich pünktlich ab und nährt in uns die Hoffnung, dass unsere Maschine am 25.3. auch pünktlich startet.
Abends ist die Menükarte im Restaurant stark dezimiert, aber Pizza, Suppen, Fleisch- und Nudelgerichte kann man bekommen.
Wie bei fast allen Gestrandeten hier ist das Smartphone das wichtigste Verbindungsmittel zur Außenwelt. Man kann froh sein, dass das Internet hier im Hotel gut funktioniert. Wir erhalten viele Nachrichten von Bekannten und Tipps, wie man nach Hause kommen kann und sehen natürlich auch im Fernsehen den Anstieg der weltweiten Infektionen durch das Corona- Virus.

 

Samstag, 21.3. 2020

Beim Blick durch das Fenster sehen wir den Cotopaxi und einen blauen Himmel.

Es wird sicher schönes Wetter geben. Wie schön wäre das jetzt am Strand des Pazifiks oder der Karibik! Stattdessen richten wir uns hier auf 5 "Urlaubstage" am Flughafen ein. Wir sehen es trotzdem deutlich entspannter als vor zwei Tagen.

Das Frühstück um halb neun ist erstklassig, aber man hat viele Tische aus dem Restaurant entfernt, weil ein Abstand von 1,50 m zum Nachbartisch gewährleistet sein muss. Dadurch passen bei weitem nicht mehr so viele Gäste in das Restaurant und demzufolge steht jetzt immer eine Warteschlange vorn am Eingang, obwohl gar nicht mehr so viele Leute im Hotel sind.
Anschließend machen wir einen Spaziergang zum Eingang des Flughafens. Daran hindert uns keiner. Wir setzen unsere Masken auf und spazieren über den Parkplatz und die Zufahrtswege bei wunderschönem Frühlingswetter.


Der Chef von der Rezeption sieht lustig aus mit seiner Gasmaske vom Militär.

Das ist richtig erholsam, zumal fast keiner außer uns unterwegs ist. Der Flughafen ist zwar gesperrt, aber im Parkhaus ist eine geöffnete Apotheke, die fast wie ein Supermarkt ausgestattet ist. Sie wird allerdings von einem Beamten bewacht, der immer nur eine Person hinein lässt. Aber man hat ja schließlich Zeit im Urlaub und dann wartet man gern, wenn man Taschentücher und etwas Süßes von Ferrero Rocher kaufen will.

Am Nachmittags genießen wir in der Lobby einen Cappuccino mit den "Orechitas", den Schweinsöhrchen, die uns der Koch Alex vom Wyndham Garden bei unserem Abschied noch mitgegeben hat. Übrigens muss man der Belegschaft und den Servicekräften des Hotels auch hier ein großes Lob aussprechen, dass sie versuchen, trotz der Beschränkungen durch die Corona-Krise-Sanktionen der Regierung, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Aus diesem Grunde kann ich das Wyndham Airport nur wärmstens empfehlen, wenn Sie einmal einen Stopover in Quito machen wollen. Mehr Informationen dazu enthalten meine Bewertungen bei Holidaycheck oder im Tripadvisor.


Sonntag, 22.3. 2020

Als wir uns zum Frühstück treffen, sind alle Tische besetzt und wir müssen lange warten, bis ein Tisch frei wird. Es sind heute nämlich deutlich mehr Gäste da, da 2 Maschinen aus Guayaquil gelandet sind. Heute sollen wiederum 2 weitere Flüge ankommen und eine Maschine nach Madrid abfliegen. Es ist schönes Wetter und wir können wieder unsere 2-stündige "Wanderung" über die Parkplätze bis zum Flughafengebäude machen.

Gegen Mittag kommt eine E-mail von der Deutschen Botschaft, dass am Dienstag voraussichtlich eine gecharterte LATAM-Maschine kommt, die uns nach Frankfurt bringen soll. Wir sollen uns auf die Warteliste setzen lassen.

Liebe Landsleute,

wie angekündigt wird es voraussichtlich am Dienstag einen Rückholflug der Bundesregierung geben, von Quito nach Frankfurt, durchgeführt von LATAM. Mit diesem Flug wollen wir denjenigen von Ihnen die Möglichkeit zur Rückkehr geben, die sich nur kurzzeitig in Ecuador aufhalten und über kein Rückflugticket der Fluglinien Air France, KLM oder Iberia verfügen. Zusätzlich werden wir ältere oder kranke Menschen priorisieren sowie Minderjährige, die sich unbegleitet im Land aufhalten. Wir schreiben noch heute diejenigen von Ihnen an, von denen wir bereits wissen, dass diese Kriterien auf sie zutreffen.

Bei Teilnahme am Programm müssen Sie einen Antrag nach § 6 Konsulargesetz unterschreiben. Sie müssen zwar keinen Flugpreis im Voraus bezahlen, aber später Flugkosten in Höhe eines Economy-Tickets auf Rechnung erstatten. Die genauen Kosten können wir noch nicht vorhersagen, aber ein Rückflug mit den kommerziellen Fluglinien dürfte in jedem Fall deutlich billiger sein.

Sollten Sie mit deutschen Staatsangehörigen in Kontakt sein, die sich noch nicht in unserer Krisenvorsorgeliste registriert haben, werben Sie bitte dennoch weiter für die Registrierung in ELEFAND unter https://elefand.diplo.de . Bitte beachten Sie auch weiterhin die stets aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweise unter www.diplo.de, die Sie per Newsletter abonnieren oder in der Gratis-App „Sicher Reisen“ verfolgen können.

Vielen Dank für Ihre Mitwirkung und bleiben Sie gesund!

Ihr Botschafts-Team

Wir beschließen, das nicht zu tun, weil wir ja die Tickets von der KLM haben und ich schreibe das der Botschaft. Es vertrauen nicht alle so wie wir der KLM. Ein anderes deutsches Paar, das schon vor uns da war, lässt den KLM-Flug sausen und wählt die LATAM-Maschine der Bundesregierung. Aber sie kommt damit auch immerhin nach Frankfurt und will mit einem Leihwagen zurück nach Hamburg.
In der Nacht soll noch eine Air France Maschine nach Paris abfliegen und eine United nach Fort Lauderdale. Das macht uns Hoffnung, dass doch noch etwas geht.

 

Montag, 23.3. 2020

Es ist ein bisschen diesig, als wir heute morgen aus dem Fenster schauen und der Cotopaxi ist nicht zu sehen. Es sind nicht mehr so viele Leute beim Frühstück und wir spazieren anschließend wieder bis zur Apotheke am Flughafen. Der Himmel hat sich aufgeklart und es herrschen wieder angenehme Temperaturen. Auf der Wiese am Hotel spielen sogar einige Väter mit ihren Kindern Fußball. Die Stimmung ist bei allen besser geworden.

Die Bar ist jetzt gesperrt, weil der nötige Abstand nicht eingehalten werden kann.
Die KLM-Maschine ist pünktlich abgeflogen und wir sprechen mit einigen Leuten, die auch nach Hause wollen, aber keinen Flug haben. Besonders die Kanadier haben es schwer. Eine weitere Maschine nach Fort Lauderdale ist abgeflogen und eine Privatmaschine, die gechartert wurde und Plätze für 10 000 Dollar frei hatte. Die Botschaft hat eine Mail geschickt, dass Freitag der letzte Rückholtag ist. Wer dann nicht mitfliegt, muss 60 Tage in Ecuador bleiben.

Beim Abendessen begegnen wir Alex, dem netten Koch aus dem Wyndham Garden Hotel. Er muss jetzt hier arbeiten und darf wie die anderen Angestellten auch nicht nach Hause. Alle müssen im Hotel schlafen und haben von morgens 6:00 Uhr bis abends 22:00 Uhr Dienst. Das gefällt ihm gar nicht, auch wenn er dazwischen längere Pausen hat.

Dienstag, 24. 3. 2020

Beim Frühstück ist heute nicht viel los, aber das Wetter ist wieder wunderschön und wir machen einen langen Spaziergang über unseren Wanderweg. Anschließend setzen wir uns unter den Sonnenschirm auf dem Kinderspielplatz und genießen die Ruhe.

Gegen Mittag ergibt sich die Möglichkeit zum Online-Einchecken, die wir natürlich sofort wahrnehmen. Einen Wermutstropfen gibt es aber durch die Nachricht der KLM, dass der Service drastisch eingeschränkt sein wird und nur noch ein Snackservice für alle Klassen angeboten wird (für Economy und Business gleich). Am Nachmittag kommen noch viele Familien aus Guayaquil an, die mit Privatfahrzeugen hierhin gefahren sind. Das Hotel ist jetzt wieder ziemlich voll und wir müssen am Abend mehr als eine Stunde auf einen freien Tisch warten. Dann beschließen wir den Abend aber mit zwei Flaschen Sauvignon Blanc von Toro und Concha und hoffen, dass es der letzte hier ist.

Mittwoch, 25.3. 2020

Als erstes kontrollieren wir am frühen Morgen, ob die Maschine in Amsterdam auch wirklich gestartet ist. Dann gehen wir beruhigt zum Frühstück und packen die Koffer, damit wir fristgerecht um 12:00 Uhr auschecken.
Um 14:00 Uhr rollen wir mit unseren Koffern zum Flughafen und müssen noch fast 1 1/2 Stunden warten, bis wir zu den Schaltern im Innenraum können.

Am Schalter geht es schnell, weil wir Priority-Buchungen haben. Als wir endlich die Bordkarten in der Hand haben, sind wir doch etwas erleichtert. Danach kommt noch die Security und um 16:00 Uhr sitzen wir am Gate A11.


Ein Team von Krankenschwestern geht durch die Reihen und misst Fieber. Ich habe 36,4°C. Die Abstandsregelung ist hier ein Witz, weil so viele Leute nebeneinander sitzen. Um kurz vor 5 können wir einsteigen und von den 36 Business-Sitzen sind nur 11 besetzt. Zur Begrüßung wird uns ein Glas Wasser angeboten.
 

Als wir um 17:40 Uhr zur Startbahn rollen, kommt die Durchsage: "It is the very last flight for a very long time!"

Kurz bevor wir in Guayaquil landen, gibt es ein holländisches Käsebrot mit Senf als Snack.

Dann wird die Maschine aufgetankt und mit Passagieren aufgefüllt. Einige kommen aus der Economy und haben noch schnell ein Upgrade auf Business gemacht. Zum Schluss sind alle 408 Plätze besetzt. Um 20:10 Uhr starten wir. Der Flug soll 11 Stunden und 5 Minuten dauern. Für alle gibt es ein Plastik-Abendessen mit Pasta und Salat. Die Zeit überstehen wir gut mit einem Film und etwas Schlaf. Die Sitze sind in der Business Class von der Boeing 777-300 sind erstaunlich komfortabel. Kurz vor der Landung gibt es nochmals ein Käsebrot und als wir unter uns den Boden des Amsterdamer Flughafens haben, geht es uns wieder richtig gut.

Donnerstag, 26.3. 2020

 

Wir müssen ziemlich weit zum Baggage Claim laufen und warten eine ganze Weile auf unsere Koffer. Dann lösen wir unter der Plaza des Flughafens 4 Tickets für den ICE nach Neuss und zahlen insgesamt 150 € für 4 Personen. Als wir im Zug aus dem Fenster schauen, sind wir erstaunt über den Verkehr auf den holländischen Autobahnen und auch in den Städten. Man sieht gar keine Leute mit Masken und alle bewegen sich normal. Hinter der Grenze in Deutschland ist das nicht anders.

Eine Stunde später sind wir am Neusser Bahnhof und nehmen uns ein Taxi nach Hause. Ich bin erstaunt, dass ich nicht vorn einsteigen darf, aber der Taxifahrer sagt, hier gelte eine strenge Abstandsregelung und die Fahrgäste müssten hinter einer Plastikscheibe auf der Rückbank Platz nehmen, damit wir nicht infiziert werden.

Wir müssen lachen, aber hier in Deutschland laufen gar keine Leute mit Masken herum und alles sieht sehr locker aus.

Das ist irgendwie erleichternd und damit geht unser Ecuador-Erlebnisabenteuer friedlich zu Ende.

 

Das war´s von Ecuador. Ich hoffe, der Reisebericht hat Ihnen gefallen und es sind ein paar brauchbare Informationen für Sie dabei, wenn Sie vorhaben, Ecuador zu besuchen. Hoffentlich sind es dann bessere Zeiten. Vielleicht haben Sie aber auch Interesse an anderen Reiseberichten von mir. Schauen Sie doch mal auf meine Reiseseite!

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